Quelle: NZZ
Griechenlands Ministerpräsident Tsipras erstmals in der Türkei
Vom Ansturm der Flüchtlinge überwältigt, möchte Griechenland die Türkei stärker einbinden. Territoriale Dispute erschweren eine Annäherung.
Marco Kauffmann Bossart, Istanbul
Es hat zehn Monate gedauert, bis Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras der Türkei einen Arbeitsbesuch abstattete. Der Linkspolitiker war in seiner ersten Amtszeit und nach der Wiederwahl im September dermassen mit der Wirtschaftskrise beschäftigt, dass er ausschliesslich nach Brüssel reiste.
Die Eskalation der Flüchtlingskrise liess aber einen Dialog mit Ankara als vordringlich erscheinen. Seit Tsipras‘ Amtsantritt gelangten rund 650 000 Migranten nach Griechenland, die meisten über die gefährliche Seeroute auf eine der Ägäisinseln, die dem Andrang nicht gewachsen sind. Zudem kommt es oft zu tödlichen Unfällen. Am Dienstag, als Tsipras nach Istanbul flog, ertranken vor Kos neun Migranten. Griechenland sieht primär das Nachbarland in der Pflicht, da es dessen Aufgabe sei, die Boote in den eigenen Hoheitsgewässern abzufangen. Athen fordert wie die EU ein schärferes Vorgehen Ankaras gegen Menschenschmuggler und die Errichtung von Erfassungszentren auf türkischem Boden. Damit sollen die Schutzsuchenden davon abgehalten werden, ihre Flucht fortzusetzen. Stattdessen könnten sie geordnet auf die EU-Länder verteilt werden.
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