07. September 2015 · Kommentare deaktiviert für „Was Flüchtlinge aufs Mittelmeer mitnehmen“ · Kategorien: Mittelmeer · Tags: , ,

Quelle: Zeit Online

Von Anne-Kathrin Gerstlauer

Abu Jana weiß, dass sein Schiff sinken kann. Seine Dokumente hat er in einen gelben Plastikbeutel verpackt und mit Tape verschlossen. Zitronen sollten gegen die Seekrankheit helfen, aber er ist auch für den Worst Case vorbereitet. Mit seinem Laserpointer will er vorbeifahrende Schiffe alarmieren, die schiffbrüchige Flüchtlinge retten könnten. Die britische Tageszeitung The Guardian erzählt die Geschichte der Menschen, die über das Meer nach Europa wollen, anhand des Gepäcks von vier Syrern.

Das spärliche Gepäck der Flüchtlinge verdeutlicht, dass sie das Risiko kennen und andere Sorgen haben als die Höhe des Taschengelds, das sie erwarten würde. Und auch wenn Abu Jana den Laserpointer dabei hat, hat er sich die Frage nach Rettungsmissionen nicht gestellt. Er sagt: „Syrer fühlen sich tot. Selbst wenn sie Flüchtlingsboote bombardieren würden, würde das die Entscheidung nicht verändern.“ Und der Elektriker Nizar erklärt: „Bevor ich das erste Mal die Flucht versuchte, wusste ich nicht einmal, dass es Rettungsmissionen gibt.“ Seine Schwimmweste ist bereits ein Jahr alt, die Verzweiflung ist nicht neu.

Das Gepäck des 21-jährigen Houthayfa zeigt den Respekt des Flüchtlings vor den Schleusern: Er hat nur eine warme Jacke, eine Flasche Wasser und seine Papiere dabei. Das Gewicht auf den Booten soll so niedrig wie möglich bleiben. Dem 19-jährigen Ahmed Abu Zeid ist das egal. Zwölf Flaschen Wasser, Pökelfleisch, Brot und Datteln begleiten ihn auf seinem Weg. „Die Schleuser sagen, sie geben dir Essen, aber sie geben dir nicht einmal Wasser.“ Er hat mehr Angst zu verhungern als zu sinken.

Weitere Teilchen finden Sie hier. Darunter elf Kurzreportagen der „New York Times“, eine Karte über die Verteilung von Flüchtlingen in Deutschland, eine Willkommensbotschaft an Flüchtlinge, ein News-Game der BBC, ein Video über Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Europa und ein Datenprojekt über tote Flüchtlinge an Touristenstränden des Mittelmeeres.

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