11. August 2015 · Kommentare deaktiviert für „EU soll Mega-Flüchtlingslager in Serbien planen“ · Kategorien: Balkanroute, Serbien · Tags:

Quelle: Tagesanzeiger

400’000 Menschen sollen nach Aussage eines serbischen Politikers an der EU-Aussengrenze untergebracht werden.

Die Europäische Union denkt über den Bau eines Zentrums für 400’000 Flüchtlinge in Serbien nach. Die grösste Zeitung Belgrads, «Blic», beruft sich auf Angaben des Vorsitzenden des Parlamentsausschusses für Verteidigung und Sicherheit, Momir Stojanovic. Es gebe in Brüssel entsprechende Überlegungen, sagt der Spitzenpolitiker zur Zeitung.

Ein möglicher Standort sei im Süden Serbiens, wo es schon jetzt in der Stadt Presevo ein nationales Aufnahmelager für Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan gibt. Zurzeit hielten sich 70’000 Migranten in Serbien auf. Sie seien auf dem Weg Richtung Westeuropa, schreibt die Zeitung «Blic».

EU stellt insgesamt 2,4 Milliarden Euro bereit

Die EU-Kommission hat insgesamt 2,4 Milliarden Euro zum Migrationsmanagement bis 2020 an die EU-Staaten freigegeben. Damit können Hilfen aus dem europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) sowie aus dem EU-Fonds für Innere Sicherheit (ISF) auch an Griechenland und Italien fliessen, wie die EU-Kommission am Montag mitteilte.
Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks etwa 124’000 Flüchtlinge und Migranten Griechenland per Schiff erreicht. Das sei ein Anstieg von 750 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2014. Allein im Juli kamen demnach 50’000 an, davon rund 70 Prozent aus Syrien. Die meisten treffen auf den fünf Inseln Lesbos, Chios, Kos, Samos und Leros ein, wie das UNHCR mitteilte.

Nach Griechenland fordert auch Skopje EU-Hilfe

Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise fordert nach Griechenland nun auch Mazedonien rasche Hilfe von der Europäischen Union. Der mazedonische Innenminister Mitko Cavkov sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» mit Blick auf den Nachbarn Griechenland, die EU sei in der Pflicht, weil das «Problem» in Mazedonien aus einem EU-Mitgliedsstaat importiert werde. Sein Land verfüge über keine ausreichenden Kapazitäten, um alle Flüchtlinge zu erfassen. Hilfsorganisationen schätzen, dass jeden Tag mehr als 2000 Menschen illegal die griechisch-mazedonische Grenze überqueren.

Schwere Vorwürfe erhob der Minister gegen Griechenland. Von dort würden die Flüchtlinge in Bussen organisiert bis an die Grenze zu Mazedonien gebracht. Ein Mitarbeiter Cavkovs sprach gegenüber der Zeitung von einer absurden Situation: Einerseits gelangten Menschen aus der EU ungehindert nach Mazedonien, andererseits unterstütze die EU Serbien dabei, diese Menschen von der Weiterreise in ihre eigentlichen Zielländer abzuhalten.

An der serbisch-mazedonischen Grenze finden gemeinsame Patrouillen serbischer, ungarischer und österreichischer Grenzschützer statt. Mazedonien und Serbien streben beide einen Beitritt zur EU an. (slw/sda)

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siehe auch. Die Presse

Flüchtlinge: EU plant Aufnahmezentrum in Serbien

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siehe auch: Balkan 21

EU plant Riesenlager für Geflüchtete

von Daniel Kerekeš

Laut einem internen EU-Bericht soll in Serbien, EU-Beitrittskandidat, ein EU-Lager für bis zu 400.000 Geflüchtete gebaut werden. Das Vorhaben klingt zunächst wie ein bizarrer Witz.
Was wie ein gewaltiger Witz klingt soll laut serbischen Politikern bittere Realität sein: Die EU plant ein Aufnahmezentrum mitten in Europa, so groß wie eine Stadt. Das zumindest behauptet der Vorsitzende des Ausschusses für Verteidigung und Sicherheit in Serbien, Momir Stojanovic. Nach dem Bau eines 175 km langen Zaunes an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien scheint dies die zweite „Maßnahme“ gegen Geflüchtete zu sein.

Politik für Geflüchtete nicht gegen

Leider wirkt die EU weiter daraufhin, ihre Festung auszubauen. Gleichzeitig ist sie für viele der Probleme des Globalen Südens verantwortlich. Gemeinsam mit den USA dominieren sie seit Jahrhunderten die ökonomische Basis Afrikas und Asiens. Durch Schutzzölle und einseitige Freihandelsabkommen wird zudem seit Jahren die wirtschaftliche Basis von Kleinbauern und mittelständischen Unternehmen in Afrika zerstört. Nachhaltige Entwicklung sieht anders aus. Die Folgen sind zunehmende Umweltprobleme, wirtschaftlicher Niedergang und Krieg.

Wahnwitzige Rüstungsexporte

Gleichzeitig exportiert die EU, gemeinsam mit Russland und China, fast alle Waffen dieser Welt. Und Waffen finden ihre Kriege. So lieferte Deutschland Waffen nach Algerien, die ägyptische Diktatur und Saudi Arabien.

Serbien als Transitland

Dabei ist Serbien für Geflüchtete vor allem ein Transitland auf dem Weg in den Westen. Sie schlafen zu hunderten in Parks, verlassenen Fabrikgebäuden und auf der Straße. Bis zu 70.000 Geflüchtete sollen sich ständig auf der Durchreise durch Serbien befinden. Hans Schodder, Leiter des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Serbien, lobt die Geflüchtetenpolitik des Landes. Aufgrund des offenen Umganges mit Geflüchteten, gibt es keinen Ansatzpunkt für Schlepperbanden. Falls die Weiterreise in die EU erschwert würde, könnte es in Serbien zu einer nie dagewesenen humanitären Katastrophe kommen.

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