Quelle: Welt | 30.11.2016
Paul Collier ist ein weltberühmter Migrationsforscher. Die Flüchtlingspolitik Angela Merkels hat er harsch kritisiert. Nun ist er zufrieden mit der deutschen Politik – und berät die Kanzlerin sogar.
Von Eva Ladipo
Anfang des Jahres machte der ehemalige Weltbank-Direktor Paul Collier, einer der angesehensten Migrations- und Armutsforscher der Welt, Schlagzeilen mit seiner harschen Kritik an Angela Merkel. Ihre Entscheidung, die Grenzen zu öffnen, habe indirekt zu mehr als 17.000 toten Flüchtlingen geführt und eine vielfache Zahl von Menschen in die Hände von Schleppern getrieben.
Die Welt: Herr Professor Collier, haben Sie die Seiten gewechselt? Sind Sie in der Flüchtlingspolitik plötzlich einer Meinung mit Angela Merkel?
Paul Collier: Mitnichten. Ihr Verhalten im Sommer 2015 halte ich nach wie vor für falsch. Offene Grenzen sind keine Lösung. Frau Merkel hat damit eine Massenmigration ausgelöst, die sowohl unserer Gesellschaft als auch den Gesellschaften der Herkunftsländer schadet. Doch mittlerweile hat die Kanzlerin ihre Strategie geändert – und dafür gebührt ihr großer Respekt.
