Zeit Online | 21.02.2017
Helfen, wo die Menschen im Meer ertrinken: In Spanien demonstrieren Tausende, weil sie Flüchtlinge aufnehmen wollen. Sie bewegt mehr als der Ärger über „die aus Madrid“.
Von Julia Macher, Barcelona
Ruben Wagensberg hat auf die verwunderten Nachfragen der ausländischen Journalisten eine einfache Antwort: „Die Menschen sterben direkt vor unserer Haustür. Da mussten wir etwas tun.“ Der 30-jährige Filmemacher aus Girona ist Ideengeber und Koordinator der Großdemonstration vom vergangenen Samstag. Unter dem Motto „Volem acollir“ („Wir wollen aufnehmen“) forderten in Barcelona 160.000 Menschen – eine halbe Million nach Veranstalterangaben – die Aufnahme von mehr Flüchtlingen.
Im Rahmen der europäischen Verteilung von Flüchtlingen hat Spanien sich zur Aufnahme von 16.000 Menschen verpflichtet. Doch gerade mal 1.100 Schutzbedürftige wurden bisher auch wirklich aufgenommen. Grundsätzlich gibt es beim Thema Asyl viel Nachholbedarf. Pro Jahr werden deutlich weniger Asylverfahren bearbeitet als im europäischen Durchschnitt, die Anerkennungsquote lag mit einem Drittel 2015 ebenfalls unter dem EU-Durchschnitt von 50 Prozent. Die spanische Flüchtlingshilfsorganisation Cear und andere fordern seit Jahren bessere Verfahrensregeln.

