Auf dem Weltwirtschaftsforum Davos 2015 verkünden italienische und libysche Regierungsstellen, dass nunmehr der Islamische Staat (IS oder ISIS) die Organisation der Flüchtlingsboote aus Westlibyen übernommen habe. Ausgegeben wurden Parolen gegen den „Dschihad der Flüchtlingsboote“. Behörden, die die italienisch-libysche Erdöl- und Erdgas-Förderung absichern, sind in Davos präsent.
Dass Flüchtlinge in Westlibyen mit menschenverachtenden Milizen und Staatsbehörden zu tun haben, ist seit langem bekannt. Immer wieder wurden Reportagen über die furchtbaren Lager gedreht, in denen Flüchtlinge dort festgehalten werden. Dass manche auch an der kommerziellen Fluchthilfe angesichts der Abschottung Europas verdienen, ist anzunehmen. Aber dass sich Islamisten zur Fahrt nach Europa selbst auf die lebensgefährlichen Schlauchboote setzen, ist eine völlig absurde Annahme. Die Milizen verfügen über Geld und Einfluss, um sich andere, sichere Wege nach Europa zu organisieren.
Das Signal von Davos zielt darauf, den Antiterrorismus und die Geheimdienste noch stärker in den Kampf gegen die Bootsflüchtlinge einzubinden. Die Flüchtlingsboote legen in der Regel nahe der Erdöl- und Erdgashäfen ab und fahren an Petro-Plattformen vorbei.
