11. April 2016 · Kommentare deaktiviert für Topographien von Flucht und Widerstand: · Kategorien: Hintergrund, Video

Quelle: Universität Basel

Fluchtbewegungen nach den Arabischen Umbrüchen und deren transnationale Folgen

Seit Monaten wird täglich in den Medien über Geflüchtete auf dem Weg nach Europa berichtet. Der Umgang mit der gegenwärtigen humanitären Krise und der langfristige Wandel, der durch die Fluchtbewegungen in den Aufnahmegesellschaften ausgelöst werden könnte, bewegen nicht nur Politiker_innen, sondern auch weite Teile der Gesellschaften in Europa. Die Debatten darüber sind oft von Krisendiskursen und Bedrohungsszenarien überschattet, was eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik erschwert. Diese Ringvorlesung nimmt die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um Geflüchtete in Europa zum Anlass, die Universität für diese Auseinandersetzung zu öffnen und gleichzeitig mit bisher unterbeleuchteten Perspektiven neue Impulse für eine differenzierte Diskussion zu ermöglichen.

Die Ringvorlesung besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil (Frühlingssemester 2016) beschäftigen wir uns mit verschiedenen Stationen der Flucht und des Widerstands von Menschen, die aus der Nahost-Region und Nordafrika migrieren. Im Zuge der Umbrüche in der arabischen Welt und politischer Konflikte in der Region kam es zu einer der grössten Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte. Dass dabei der Grossteil der Geflüchteten in den Nachbarländern (Libanon, Türkei, Jordanien) Schutz sucht, wird in den europäischen Diskussionen oft übersehen. In fünf öffentlichen Vorträgen und einer Abschlussdiskussion soll der Fokus auf die Situation von Geflüchteten auf den Stationen vor ihrer Ankunft vor den EU-Grenzen gelegt werden. Dabei bieten die Vorträge nicht nur differenzierte Einsichten in die aktuelle Lage der Flüchtlinge im Nahen Osten, sondern rücken dabei auch Praktiken von Widerstand, transnationaler Solidarität sowie Formen von Selbstorganisation auf den Fluchtrouten ins Blickfeld. Ein weiteres Augenmerk wird die Rolle von Gender und auf vergeschlechtlichte Erfahrungen und Praktiken des Flüchtens sein. Begleitet werden die öffentlichen Vorträge mit einer Filmvorführung über Flucht im Rahmen des Baseler Bildrausch Film Festivals im Mai 2016 in Kooperation mit dem Stadtkino Basel. Im Frühjahr 2017 soll dann in einer zweiten Runde der Ringvorlesung das Thema Flucht mit Perspektive auf Europa thematisiert werden. Dabei greifen wir rechtspopulistische Bewegungen gegen Flüchtlinge, Rassismus und Gewalt, Debatten über die neue Willkommenskultur, politische Auseinandersetzungen im/um das Europäische Grenzregime, die Unterbringungssituation und der Arbeitsmarktzugang von Geflüchteten sowie aktuelle Konzepte wie ‚urban citizenship‘ und ‚postmigrantische Gesellschaft‘ auf.

Die Ringvorlesung wurde von Prof. Dr. Bilgin Ayata (Seminar für Soziologie) und Dr. des. Sarah Schilliger (Seminar für Soziologie) konzipiert und wird vom Departement Gesellschaftswissenschaften unterstützt im Rahmen ihres Beitrags zur Förderung öffentlicher Diskussion über gesellschaftlich relevante Themen.

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