01. November 2015 · Kommentare deaktiviert für „Festung Europa: 31 tote Kinder in einer Woche“ · Kategorien: Griechenland, Mittelmeer · Tags: ,

Quelle: Neues Deutschland

  • Boot zerschellt vor Samos: mindestens eine Tote, vier Flüchtlinge noch vermisst
  • Politiker fordern sichere Fähren und offene Landgrenzen für die Menschen
  • KKE-Aktion in Athen: »Stoppt dieses Verbrechen jetzt«

Berlin. Bei einem Bootsunglück vor der griechischen Insel Samos ist eine Frau ums Leben gekommen. Vier weitere Flüchtlinge werden noch vermisst, berichtete das griechische Staatsfernsehen am Sonntag. Demnach konnten 13 weitere Menschen gerettet werden. Die Gruppe hatte versucht, von der Türkei aus zur griechischen Insel Samos überzusetzen. Dabei sei das kleine Boot an einem felsigen Küstenabschnitt zerschellt.

Seit vergangenen Freitag sind nach einer vorläufigen Bilanz der griechischen Behörden 49 Flüchtlinge in der Ägäis ertrunken. Unter ihnen waren auch 31 Kinder. Am Donnerstagabend waren vier syrische Kinder ums Leben gekommen. Ein Boot mit 19 syrischen Flüchtlingen sei am Donnerstagabend auf dem Weg von der türkischen Küste zur griechischen Insel Lesbos von einer Sturmböe erfasst worden und gekentert, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Freitag. Die türkische Küstenwache habe 19 der Insassen retten können. Vier Kinder im Alter zwischen einem und vier Jahren hätten nur noch tot geborgen werden können. Die Route von der türkischen Westküste nach Lesbos wird derzeit immer noch von vielen Flüchtlingen genutzt, obwohl sich das Wetter verschlechtert hat.

Aus Protest gegen die Abschottung Europas haben Mitglieder und Sympathisanten der kommunistischen KKE am Samstag zwei große Transparente an der Mauer des Wahrzeichens von Athen, der Akropolis, aufgehängt. »Stoppt dieses Verbrechen jetzt«, steht darauf geschrieben. Die Kommunisten machen die EU und die NATO verantwortlich. Sie »verwandeln das Mittelmeer zu einem Meer des Todes«, stand auf Griechisch und Englisch auf den Transparenten. Sie forderten »Solidarität und sofortige Hilfsmaßnahmen für die Flüchtlinge.« Die Transparente waren in weiten Teilen des Zentrums von Athen sichtbar.

Der Bürgermeister von Lesbos, Spyros Galinos, hat inzwischen gefordert, dass künftig Fähren Flüchtlinge direkt und sicher aus der Türkei nach Griechenland bringen. Es bleibe keine andere Möglichkeit, als die Menschen zur Registrierung mit Fähren auf seine Insel zu bringen, damit sie nicht im Meer ertränken. »Wir müssen dieses Verbrechen beenden«, sagte Galinos der Athener Zeitung »Kathimerini« Die Leichenhallen der Insel seien voll mit Opfern, hieß es.

Jugendorganisationen und Bürgerinitiativen forderten wiederum die Regierung in Athen auf, die Landesgrenze Griechenlands zur Türkei entlang des Flusses Evros (türkisch: Meriç) zu öffnen. Dann müssten die Flüchtlinge nicht mehr die gefährliche Überfahrt von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln unternehmen. Die Parteijugend der linken Regierungspartei SYRIZA forderte, dass auch ein etwa zehn Kilometer langer Zaun an der türkisch-griechischen Grenze niedergerissen wird. Auch die Regionalgouverneurin der Inseln der Nordägäis, Christina Kalogirou von der konservativen Nea Dimokratia rief die Regierung auf, angesichts der schlimmen Lage auf den Inseln, sich die Öffnung der Landesgrenze (zur Türkei) zu überlegen.

Damit sind in den ersten zehn Monaten 2015 bereits 3329 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, mehr als im gesamten Jahr 2014 (3279 Tote), wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Nach IOM-Angaben erreichten 724 228 Migranten und Flüchtlinge Europa über das Mittelmeer. Viele Flüchtlinge kommen aus Syrien, wo seit viereinhalb Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Die meisten wollen nach Deutschland. Agenturen/nd

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