Guillaume Perrier, Le Monde Korrespondent in Istanbul, berichtet über E-Mail: Nach Angaben türkischer Fernsehprogramme, des regionalen Polizeichefs und des Provinzgouverneurs hat es am Abend des 05.09.2012 ein grosses Schiffsunglück bei Izmir in der Ägäis gegeben. Vor der türkischen Küste sind 58 Flüchtlinge und MigrantInnen ertrunken, als das Schiff einen Felsen rammte. Die meisten Passagiere seien SyrerInnen und IrakerInnen gewesen. Zunächst lag die Zahl der Toten niedriger, weil nur die Frauen und Kinder aus dem Schiffsinneren benannt worden waren. 45 Personen sollen gerettet worden sein.
Unterstützt den Protestmarsch der Flüchtlinge nach Berlin!
Am 10. und 11. September mit öffentlichen Aktionen am Frankfurter Flughafen und in Mainz
Residenzpflicht durchbrechen, Lager auflösen, Abschiebungen stoppen – mit diesen Forderungen startet am kommenden Samstag, dem 8. September, in Würzburg ein Protestmarsch von Flüchtlingen, deren Streik gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen von Asylsuchenden sich in den letzten Wochen auf 7 Städte ausgeweitet hatte. Über zwei Routen – auf einer zu Fuß und auf einer per Bus – werden die protestierenden Flüchtlinge nun nach Berlin ziehen, und am kommenden Montag und Dienstag sind Frankfurt und Mainz die ersten Bus-Stationen.
Solidarisiert Euch mit den Protesten, beteiligt Euch an den Kundgebungen:
am Montag, 10.09., um 17 Uhr, Frankfurter Flughafen – Treffpunkt im Bereich A/Abflug bei Lufthansa;
am Dienstag, 11.09., um 16 Uhr, Neubrunnenplatz Mainz.
Im Anhang findet sich eine Chronologie dieses neuen Kampfzyklus, der im März 2012 in Würzburg begonnen hatte.
Hier: http://asylaub.wordpress.com findet sich der gemeinsame Aufruf der Flüchtlinge.
Marokkanische Polizei erschlägt Flüchtlinge, spanische Presse schweigt
Pedro Antonio Honrubia Hurtado schreibt am 05.09.2012 auf „Kaosenlared“ (hier übersetzt):
Am vergangenen Montag (03.09.2012) hat die marokkanische Polizei mit aller Gewalt afrikanische Flüchtlinge und MigrantInnen angegriffen, die in den Wäldern vor der Grenze von Melilla warteten, um in die spanische Stadt zu gelangen. Es gab mehrere Tote und Schwerverletzte. Die spanische Presse verschweigt diese Nachricht.
Einen zweistündigen Dokumentarfilm haben algerische Militärs über die „bidonvilles“ in Oran gedreht. Besonders intensiv wurden die „historischen“ Slums am Berg Murdjajo aufgenommen (Les Planteurs, Couchet El-Djir, El-Hassi). Mit Aufnahmen aus der Luft haben sie die Wohnstrukturen dieser nichtgenehmigten Viertel erfasst, in die sich die Polizei normalerweise nicht hineintraut. Bei der Auswertung stellten die Militärs fest, dass die Ausmaße der Slums um ein Vielfaches größer sind, als die offiziellen Statistiken angeben. Die Militärs haben 20.000 Häuser oder Hütten gezählt.
Die Slums in Oran stammen zum Teil aus den Anfängen der französischen Kolonialzeit. Sie sind Durchgangsstationen für die vom Land geflüchteten Armen. Im algerischen Befreiungskrieg waren sie wichtige Basen für den Aufstand. Auch in diesen Jahren gehen viele „emeutes“ von den Slums aus.
Der Dokumentarfilm soll in den nächsten Tagen halböffentlich vorgestellt werden.
In der Nacht vom 03./04.09.2012 haben spanisch-marrokkanische Polizeikommandos die west- und zentralafrikanischen Flüchtlinge auf den winzigen Inseln vor Marokko festgenommen. Die Inseln befinden sich in spanischem Besitz, aber Marokko erhebt Souveränitäts-Anspruch auf sie.
8 Kinder und Jugendliche sowie 2 Frauen wurden in das Krankenhaus von Mellilla (spanisch) überstellt und sind damit offiziell in Spanien aufgenommen. Sie waren durch das tagelange Aushungern durch die spanischen Behörden am meisten geschwächt. Dennoch hatten sie die Trennung von ihren Angehörigen ausdrücklich abgelehnt.
Alle übrigen 73 Flüchtlinge, unter ihnen auch die Angehörigen der genannten Kinder und Frauen, wurden nach Marokko zurückgebracht. Um 04:30 Uhr sei die Operation beendet worden. Die gesamte Gegend war weiträumig von marokkanischer Polizei und marokkanischem Militär abgesperrt worden. Fotos und Zeugenaussagen über die Operation sollten verhindert werden. JournalistInnen wurden abgedrängt. – Die Rückgeschobenen sollen weiter nach Algerien abgeschoben werden.
Fotogalerie:
Bislang hatte die marokkanische Regierung die „Rücknahme“ von DrittstaatlerInnen offiziell nie akzeptiert, da sie von Algerien aus nach Marokko weitergeschoben worden seien. Bei den Versuchen, den EU-Zaun von Melilla und Ceuta zu überwinden, akzeptiert die marokkanische Polizei bzw. das marokkanische Militär aber die heimliche Rückschiebung.
Wieviel Bestechungsgeld die spanische Regierung und die EU an die marokkanische Regierung gezahlt haben, damit sie die Räumung der Inseln und die offizielle „Rückschiebung“ akzeptieren, ist nicht bekannt.
http://www.elcorreo.com/agencias/20120904/llegan-melilla-menores-madres-arribaron_201209040921.html
http://politica.elpais.com/politica/2012/09/03/actualidad/1346665046_157118.html
http://politica.elpais.com/politica/2012/09/03/actualidad/1346702660_647547.html
http://www.elmundo.es/elmundo/2012/09/04/espana/1346718166.html
Alejandro Cerezo Contreras und das Comité Cerezo
Alejandro Cerezo
Alejandro Cerezo Contreras, geboren im Jahr 1981 in Mexiko, ist Aktivist der mexikanischen Menschenrechtsorganisation „Comité Cerezo”. Die Organisation wurde im Jahr 2001 gegründet, als er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Héctor und Antonio verhaftet wurde. Den drei Studenten der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) wurde die Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag in Mexiko-Stadt vorgeworfen, zu dem sich die „Revolutionäre bewaffnete Volksgruppe“ (FARP) bekannt hatte. Während ihrer Gefangenschaft im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano wurden sie gefoltert und aufgrund einer Anklageschrift, die jeglicher Grundlage entbehrte, wegen „terroristischer Akte und Missachtung des Bundesgesetzartikels zum Besitz von Waffen und Explosionskörpern“ zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Die Anschuldigungen konnten jedoch nie mit Beweisen belegt werden. Alejandro Cerezo Contreras wurde im Berufungsverfahren freigesprochen und verließ das Gefängnis 2005, seine Brüder blieben bis 2009 in Haft. In allen Fällen sehen sich die Betroffenen einer politischen Verfolgung ausgesetzt.
On September 8th 2012 the Refugee Protest March Würzburg-Berlin is on the move. Mattin and Sadeq Refugees living since weeks in the Protest Tent of Nürnberg are calling Refugee, Migrants and Activists to join the March. The interview is filmed during the Refugee Sommer Camp – Break Isolation! – in Erfurt on 27.08.2012
Stärkt die Einheit der Flüchtlingskämpfe gegen koloniales Unrecht in Deutschland – Abschlusserklärung des Break Isolation Camp am 2.September 2012 ( Unite struggles of refugees against colonial injustice )
thevoiceforum.org/node/2707
Video:
In den frühen Morgenstunden des 03.09.2012 haben 160 west- und zentralafrikanische Flüchtlinge und MigrantInnen versucht, den 6 Meter hohen EU-Zaun von Melilla zu überwinden. Beim ersten Anlauf wurden alle von der spanischen Polizei zurückgeschlagen. Beim zweiten Versuch haben bis zu 10 Personen die Flucht nach Melilla geschafft.
Zum Einsatz kam eine Guardia-Civil-Spezialeinheit zur Aufstandsbekämpfung, die Mitte August 2012 zunächst für einen Monat an dieser EU-Grenze stationiert wurde (Grupo de Reserva de Seguridad (GRS) de la Guardia Civil)
Ebenfalls am 03.09.2012 hat die Guardia Civil 12 MarokkanerInnen in einem Boot drei Seemeilen vor Punta Acebuche zwischen den Landkreisen von Algeciras und Tarifa (Cádiz) abgefangen. Und am selben Morgen hat das Salvamento Marítimo hat 6 subsaharische Flüchtlinge 7,5 Seemeilen südöstlich von Tarifa (Cádiz) aufgebracht.
Die spanische Regierung führt ab heute mit der EU und der marokkanischen Regierung über die Flüchtlingsabwehr an der nordafrikanischen Küste.
http://www.elalmeria.es/article/espana/1344240/nuevo/intento/salto/masivo/la/valla/melilla.html
http://www.publico.es/espana/441704/cerca-de-160-subsaharianos-tratan-de-saltar-la-valla-de-melilla
http//www.telecinco.es/informativos/sociedad/inmigrantes-intentan-separa-Melilla-Marruecos_0_1681032021.html
http://www.iol.co.za/news/africa/68-illegal-immigrants-land-on-spanish-island-1.1374512#.UESWPJYVL0c
El Mundo (02.09.2012) zählt die Inseln vor Marokko auf, die sich im Besitz Spaniens befinden:
„Peñón de Vélez de la Gomera
Situado a algo menos de cien metros de la costa marroquí, tiene 77 metros de altura por 200 de base. Los españoles se asentaron en este peñón en 1508, once años después de hacerlo en Melilla, al mando de don Pedro Navarro y durante el reinado de Fernando el Católico.
Tras varias escaramuzas y sitios, el peñón volvió a manos rifeñas en 1522. Tres años después, 1.500 soldados españoles fracasaron en sus intentos de reconquistarlo.
Felipe II envió, en 1564, 93 galeras y 63 buques menores, fletados por España, el Papa, los Doria, Malta y Toscana, con un total de 9.200 soldados, llamados a una nueva cruzada. Desde esa fecha se mantuvo en poder de España. Las Cortes de 1872 propusieron su abandono „por carecer de importancia militar“.
Islas Chafarinas
Situadas a unos cuatro kilómetros al norte de Cabo de Agua y a menos de cuatro kilómetros de la costa marroquí.
El archipiélago se compone de tres islas: del Congreso, de Isabel II y del Rey. Pese a que la isla del Congreso es la mayor, sólo está habitada la de Isabel II, que se halla en el centro y cuenta con un pequeño pero accesible puerto.
En la Isla del Rey sólo quedan de él algunos bloques de piedra sumergidos que sirven de refugio a diferentes especies.
A comienzos del siglo XX las Chafarinas llegaron a tener más de dos mil habitantes y en la actualidad Legionarios y Regulares de Melilla se turnan en las islas.
Peñón de Alhucemas
Conquistado por España en 1673, se encuentra a unos dos kilómetros de Marruecos. Con 1,2 kilómetros de extensión, está habitado fundamentalmente por miembros la guarnición española.
Alborán
De 5 kilómetros cuadrados de extensión, se sitúa a 56 kilómetros al norte del cabo de Tres Forcas (Marruecos) y a 90 kilómetros al sur de Adra (España). Es usada como refugio por pescadores y en la década de los ochenta la isla albergaba una guarnición de Infantería, pero hoy queda allí sólo un pequeño destacamento militar español.
Islote de Perejil
Con una extensión de 1,5 kilómetros cuadrados y a 200 metros de la costa marroquí, es español desde 1668. El 11 de julio de 2002, gendarmes marroquíes invadían Perejil desencadenando un conflicto que el Gobierno de José María Aznar zanjó seis días después con una acción militar.“
http://www.elmundo.es/elmundo/2012/08/29/espana/1346256022.html
Die Angehörigen von verschwundenen Boat-people wenden sich enttäuscht von der tunesischen und italienischen Regierung ab und haben am vergangenen Mittwoch ihre Dossiers an das lokale Komitee des Roten Kreuzes übergeben. Von dort wird die Suche an die entsprechenden internationalen Organismen weitergeben.
Von über 270 im Frühjahr 2011 verschwundenen Harragas wurden Lebenszeichen bei ihrer Ankunft in Italien gesammelt. Danach verschwanden sie spurlos. Die Regierungen Italiens und Tunesiens verschleppten und verhinderten die Suche.
http://www.tap.info.tn/fr/fr/organisations/31826-rencontre-a-tunis-avec-les-familles-des-tunisiens-disparus.html

