08. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Deutsches Leoni will ein Werk in Tunesien schliessen · Kategorien: Deutschland, Tunesien

Vor wenigen Tagen hatte Leoni – deutscher Kabelhersteller für Autos in Tunesien – angekündigt, demnächst ein Werk in Tunesien zu schließen. Die Fabrik Ezzahra bei Sousse beschäftigt derzeit 600 ArbeiterInnen. Die Werksleitung hat das Angebot gemacht, Beschäftigte in einem 200 km entfernten Leoni-Werk zu übernehmen. Das Angebot wird als nicht seriös eingestuft.

UGTT und das Regionalbüro der tunesischen Menschenrechtsliga protestieren gegen die geplante Werksschließung.

http://www.tap.info.tn/fr/fr/component/content/article/47/30761.html

08. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Tunesische Küstenwache gegen Harragas · Kategorien: Tunesien · Tags:

Die tunesische Küstenwache ist am 06.08.2012 in Bizerte gegen Leute an Land vorgegangen, die vorgehabt haben sollen, ohne Genehmigung per Boot aus Tunesien wegzufahren. 4 von ihnen wurden verhaftet, andere konnten fliehen. Ein Colonel Ridha Ayach kündigte über Radio an, dass Ermittlungen laufen und weitere festgenommen würden.

http://www.tunisienumerique.com/tunisie-de-jeunes-candidats-a-limmigration-arretes-a-bizerte/138127

06. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Neue Proteste und Unruhen in Tunesien · Kategorien: Tunesien · Tags:

https://linksunten.indymedia.org/de/node/65188

Zur Festnahme von Soufien Chourabi – Neue Proteste in Tunis und soziale Unruhen in Sidi Bouzid

Für gestern (05. August 2012) hatten verschiedene AktivistInnen, darunter der auch international bekannte blogger Soufien Chourabi, über soziale Netzwerke zu einer Demonstration im Zentrum von Tunis gegen die tunesische Regierung, die von den gemässigte Islamisten der Ennahda Partei sowie zwei linken Parteien gebildet wird,  aufgerufen.
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06. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Sidi Bouzid: Unruhen wegen Wasser-Sperrung · Kategorien: Tunesien · Tags:

Seit 6 Monaten leidet die Region um Sidi Bouzid darunter, dass die Bezirksregierung wechselweise den Dörfern und Städtchen das Wasser abstellen lässt. Offiziell wird das damit begründet, dass die Bevölkerung die Wasser-Rechnungen nicht bezahlt. Am 04.08.2012 kam es in der ganzen Region deswegen wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei und zu Straßenblockaden. Nun verspricht die Bezirksregierung Abhilfe.

http://www.tap.info.tn/fr/fr/component/content/article/378-actualite/30628-sidi-bouzid-les-factures-impayees-a-lorigine-de-la-coupure-deau-a-bkakria.html

06. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Video aus italienischem Abschiebeknast Trapani Milo · Kategorien: Italien, Tunesien · Tags: , ,

Es ist einer der modernsten Abschiebeknäste Europas: Milo, bei Trapani (Sizilien), direkt neben der Autobahn. Ungefähr 200 Tunesier sind hier interniert, zum Teil leben sie bereits seit über 20 Jahren in Italien.

Das Video haben Internierte mit eigenem Handy gemacht. Gezeigt wird Revolte und Niederschlagung.

Das Video ist vom Mai/Juni, gemacht vom Journalisten Alessio Genovese aus Trapani und Raffaella Cosentino, Journalistin aus Rom, die für den Redattore Sociale arbeitet und aktiv in der Kampagen „LasciateCIEntrare“ mitmacht („Lasst uns rein in die Abschiebungshaft).
Genovese war im Frühsommer 2 mal in Milo drin, Raffaella weiß ich nicht mehr, ob sie reinkam.

Alles von Flüchtlingen gefilmt bis  auf einige wenige Szenen, die Alessio heimlich gefilmt hat, als er drinnen war.
Tenor: Fluchtversuche aufgrund der langen Haftzeiten, Haftbedingungen miserabel (auf dem Boden essen, keine Möbel, jeden Tag Razzien der Zellen (daher das Chaos auf den Bildern, die Polizisten waren gerade durch), Misshandlungen. Sie werden mit Wasserwerfern, deren Schläuche immer an das Wassernetz angeschlossen sind, von den 5 m hohen Mauern wieder runtergeholt bei Fluchtversuchen, auch mit Tränengas.
Der eine befragte Polisist sagt „wir wollen euch nicht wehtun, aber wenn ihr mir mit 20 Leuten entgegenkommt müssen wir uns wehren“.
Die Wasserschläuche dienen angeblich der Brandvermeidung, aber, so Cosentino, haben wir ja gesehen wofür sie sind. Bei den Handys werden  normalerweise die Kamerafunktionen kaputt gemacht, damit genau solche Bilder nicht rausgehen. Es gibt viele Selbstverletzungen, aber eben auch Misshandlungen, so der eine Tunesier, der aus dem Krnakenhaus kommend geschlagen wird (am Kopf).
Es sitzen viele ein, Familienväter, Leute, die schon sehr lange in Italien leben, so erzählt einer, er sei schon seit 26 Jahren hier. Und sie kommen aus anderen Landesteilen nach Trapani, oftmals unschuldig daran, dass der Aufenthalt noch nicht verlängert wurde (lange Wartezeiten bei den Behörden), einer erzählt, er sei Deserteur, man könne ihn doch nicht abschieben.

http://www.youtube.com/watch?v=Hln4koJqQLs&feature=share

05. August 2012 · Kommentare deaktiviert für 184 Boat-people auf 2 Schiffen in Lampedusa und Sizilien am 03.08.2012 angekommen · Kategorien: Ägypten, Italien, Libyen, Malta, Tunesien · Tags: , ,

Ein Schlauchboot wurde 60 Seemeilen vor Lampedusa und ein Fischerboot 12 Seemeilen vor Pozzallo (Süd-Sizilien) von der Küstenwache an Land gebracht

La repubblica 04.08.2012: Auf dem Schlauchboot befanden sich 100 Personen, darunter 24 Frauen. Das Boot befand sich in Seenot und sendete über ein Satellitentelefon SOS aus. Die Telefongesellschaft lieferte die genauen Daten zur Lokalisierung des Boots. Die italienische Küstenwache hat die libyschen, tunesischen und maltesischen Behörden informiert. Ein maltesisches Flugzeug hat dann das Boot aus der Luft gesichtet, und die italienische Küstenwache hat die Passagiere gerettet. Sie wurden am Abend des 04.08.2012 in Lampedusa erwartet.

Schwieriger war die Rettung der 84 Boat-people, die sich auf einem Fischerboot vor Pozzallo befanden. Fischer aus Pozzallo hatten gestern abend das Flüchtlingsboot um 19 Uhr gemeldet. Daraufhin ist die Küstenwache losgefahren, um das verdächtige Fischerboot zu kontrollieren. Die Crew gab an, dass sie sich auf dem Weg von Tunesien nach Malta befänden, musste aber der Küstenwache in den Hafen von Pozzalo folgen. Dann habe es einen Motorschaden gegeben, die Küstenwachpolizisten kamen an Bord und entdeckten die Flüchtlinge. Sie gaben an, dass sie ÄgypterInnen sind, unter ihnen sind 55 Minderjährige.

http://palermo.repubblica.it/cronaca/2012/08/04/news/due_sbarchi_di_migranti_in_sicilia_soccorsi_in_184_dalla_guardia_costiera-40368324/?ref=search

03. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Lampedusa Bericht · Kategorien: Italien, Libyen, Tunesien · Tags:

Lampedusa wieder ein Ziel für Flüchtlinge?

Lampedusa/Palermo

Nach langer Zeit kommen plötzlich wieder Flüchtlingsboote in Lampedusa an. Am 28. Und 29.7. erreichen insgesamt 3 Boote die Insel, eines fährt sogar bis fast an den Strand.

41 Männer aus Tunesien, Marokko und Algerien werden in das am 3.7. wieder eröffnete Auffanglager Contrada Imbriacola gebacht. Ein Widerspruch in sich – Lampedusa gilt immer noch als nicht sicherer Hafen, das Zentrum für die Erstankünfte wurde jedoch wieder eröffnet.

Dazu auch Damiano Sferlazzo seit knapp drei Monaten stellvertretender Bürgermeister auf Lampedusa in einem Interview vom 27.7.2012. Zu den Flüchtlingen konnten wir keinen Kontakt herstellen, da das Lager nicht zugänglich ist. Der Direktor, der das Lager für die Kooperativen Sisifo/Bluecoop auch schon zuvor im Namen der „Lampedusa Accoglienza“ leitet, spricht nur vor dem Tor mit uns, für drinnen bräuche man eine Genehmigung des Innenministeriums. 40 der Flüchtlinge werden noch am selben Tag mit der Fähre nach Sizilien gebracht, ein Mann mit gesundheitlichen Problemen verbleibt und soll dann mit den nachfolgenden Angekommenen verlegt werden.

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02. August 2012 · Kommentare deaktiviert für B4p Versuch einer Zusammenfassung des Workshops “MigrantInnenrechte” · Kategorien: Libyen, Tunesien · Tags: ,

Choucha und Kämpfe im Maghreb

1. Teil: Situation im Camp Choucha an der tunesisch-libyschen Grenze und Handlungsmöglichkeiten

Am 11.7. eine international zusammengesetzte Delegation aus 11 AktivistInnen aus Europa und Afrika in Choucha. Ihr Ziel war, VertreterInnen der verschiedenen Flüchtlings-Communities, die zum Forum nach Monastir eingeladen wurden, abzuholen. Die Delegation wurde vom Militär daran gehindert, das Camp zu betreten (das sei nur mit offizieller Erlaubnis des Verteidigungsministeriums möglich, und dieses hatte nach einem Anruf des UNHCR den Zutritt verweigert). Es war jedoch möglich, sich vor dem Camp mit Flüchtlingen zu treffen, und da einige der schon vorher Eingeladenen aus verschiedenen Gründen nicht mit nach Monastir kommen konnten (z.B. wegen Anhörungsterminen) oder wollten (aus Angst vor Repressionen) bzw. nicht erreicht werden konnten, wurde eine neue Gruppe aus acht VertreterInnen von Flüchtlingen aus Äthiopien (darunter zwei Oromo-Frauen), Sudan, Darfur, Somalia, Tschad und Bangladesch zusammengestellt, die am 12.7. zusammen mit der Delegation nach Monastir fuhr.

Zu Beginn des Workshops stellten sich alle Flüchtlinge vor, einige wollen aber anonym bleiben, da sie sonst Repressionen befürchten. Deshalb hier nur eine Kurzfassung ihrer Beiträge ohne Namen:

– Eine junge Äthiopierin beklagte, dass ihr Asylantrag vom UNHCR abgelehnt wurde, obwohl ihr nach ihrer Flucht aus Libyen gesagt wurde, in Choucha würde ihr geholfen, woanders hin zu kommen.

– Ein Sudanese, der 21 Jahre in Libyen gelebt hat, sagte, es seien Subsahara-AfrikanerInnen gewesen, die Libyen mit ihrem Schweiß aufgebaut hätten, und seit der Flucht vor dem Krieg dort sei er ohne Papiere außer seinem 21 Jahre alten Pass.

– Ein Flüchtling aus Darfur sagte, dass er vorher in Libyen war und seit 1 1/2 Jahren in Choucha sei und einer der wenigen, die den Flüchtlingsstatus bekam. Er beklagte die Hitze im Camp, wo er auf Resettlement (Übersiedlung in ein Aufnahmeland) wartet.

– Ein junger Mann aus Bangladesch, der seit März 2011 in Choucha ist, stellte die Probleme in seinem Land dar (Überschwemmungen, Überbevölkerung), die aber nicht als Asylgründe anerkannt werden. In Libyen hatte er auch große Probleme, weil manche Bangladeschi unter Gaddafi gute Posten hatten und deshalb von den Rebellen/neuen Machthabern alle als Gaddafi-Anhänger verfolgt werden.

– Ein Flüchtling aus Somalia versuchte zusammen mit anderen, per Boot nach Italien zu gelangen, aber bei der Überfahrt ging ihnen das Wasser aus. Ein tunesisches Boot half ihnen und rief ein tunesisches Militärschiff. Dort sagte man ihnen, man werde sie nach Italien bringen. Aber tatsächlich mussten sie sich an Bord hinsetzen, ohne sich zu bewegen und wurden nach Choucha gebracht. Dort sagte ihnen der UNHCR, dass sie zu spät kämen – es würden keine Asyl- und Resettlementverfahren mehr durchgeführt seit Ende 2011. So ist er ohne Papiere und Perspektive im Camp, wo es im Winter eiskalt und im Sommer zu heiß ist.

– Ein Mann aus dem Tschad, der im März 2011 in Choucha ankam, bekam vom UNHCR gesagt, dass es in seinem Land keine Probleme gebe, und ihm wurde die Registrierung verweigert. Bei 85% der Menschen aus dem Tschad wurde der Asylantrag abgelehnt. Es gebe 47 Nationalitäten im Camp. Ca. 2900 Asylanträge wurden anerkannt, 300 abgelehnt, darunter 150 aus dem Tschad. Der Konflikt in Libyen habe sie nach Choucha getrieben, da es Leute aus dem Tschad gab, die mit Gaddafi kämpften und deshalb alle als dessen Söldner betrachtet werden. Einige versuchten, zurück zu gehen nach Libyen und wurden dort getötet. Jetzt gebe es ein neues Angebot: 700 Euro für eine freiwillige Rückkehr – aber die meisten könnten nicht zurück in ihre Herkunftsländer.

Anschließend wurde entlang dem Entwurf der Presseerklärung (siehe Endversion im Anhang), die am 11.7. zusammen mit einigen der Flüchtlinge geschrieben wurde, die allgemeine Situation im Camp Choucha dargestellt. Flüchtlinge aus Choucha und einige Workshop-TeilnehmerInnen schlugen Ergänzungen zum Text vor, z.B. zur Situation von Frauen im Camp, insbes. was die hygienischen Bedingungen betrifft, zur Situation der Kinder und zur mangelnden medizinische Versorgung, z.B. auch von Flüchtlingen, die harte Arbeiten in der Umgebung des Camps ausführen, um etwas Geld zu verdienen und die dabei verletzt wurden. Ihnen werde nur gesagt: “Ihr habt kein Recht, das Camp zu verlassen, also seid Ihr selbst schuld!” Ein Flüchtling beklagte auch die mangelnden Bildungsmöglichkeiten im Camp. Vorgeschlagen wurde, noch mehr zu betonen, dass den Flüchtlingen in Choucha das Recht auf jegliche (Bewegungs-)Freiheit verweigert werde, es also nicht nur um die schlechten Lebensbedingungen im Camp gehe. Alle müssten das Recht haben, sich irgendwo anders niederzulassen! Ein Aktivist aus Mali zeigte sich schockiert davon, dass in Tunesien nach der Revolution eine solche Behandlung von MigrantInnen existiere. Man müsse die tunesische Öffentlichkeit informieren!

In der Diskussion wurde von einem Aktivisten aus Mauretanien vorgeschlagen, mit einerDelegation des Forums nach Choucha zu fahren. Die meisten Flüchtlinge lehnten das jedoch als wenig nützlich, evtl. sogar gefährlich für sie ab. Es habe schon viele Delegationen gegeben, und nichts sei dabei herausgekommen. Wichtiger sei, dass die AktivistInnen und die Medienauf die Regierungen in ihren Ländern und beim UNHCR Druck machen, dass es eine Lösung für die Flüchtlinge in Choucha gibt. (Letzlich wurden die Flüchtlinge am 14.7. von zwei tunesischen Aktivisten nach Choucha begleitet, da einige von ihnen sich allein nicht sicher fühlten auf der Reise.)

2. Situation und Kämpfe von MigrantInnen in Mali und im Maghreb allgemein

Vertreter der AME und der ARACEM (malische Organisationen zur Unterstützung Abgeschobener) stellten die veränderte Situation in Mali seit der Rebellion der Tuareg und der Abspaltung des Nordens dar. Dadurch sind auch viele TransitmigrantInnen blockiert, und viele wollen zurück, können es aber nicht. Insbesondere die Frauen sind in einer sehr schwierigen Situation.

Ein in Tunesien lebender Malier, der auch in Algerien war, stellte die Situation in beiden Ländern dar: In Algerien gebe es keinen Status für MigrantInnen, und viele würden an die Grenzen zurück geschoben. Nach Tunesien kämen viele MigrantInnen per Flugzeug (kein Visum nötig) und hätten dann ein Aufenthaltsrecht von 90 Tagen, viele können (oder wollen) aber nicht zurück und können dann jederzeit festgenommen werden. Vor der Revolution wurden sie, falls sie nicht selbst ihren Rückflug bezahlen können, an die libysche Grenze zurück geschoben. Das passiere jetzt nicht mehr. Sie würden meist nach einiger Zeit freigelassen und lebten dann als sans papiers in Tunesien, was schwierig sei wegen der Kontrollen, aber auch mangels Arbeitsmöglichkeiten. Ein Asylgesetz gibt es bisher in Tunesien nicht, es ist aber in Arbeit.

Rym, eine Aktivistin aus Algerien, ergänzte, dass bei ihnen in Algier täglich ca. 30-35 MigrantInnen empfangen würden, meist Asylsuchende. Sie erhalten ein papier, das aber weder Schutz noch Rechte gibt.

Eine Aktivistin der GADEM aus Marokko stellte die rechtliche und politische Situation dort dar: Marokko hat zwar die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet und ein Gesetz “02/03” betr. Migration verabschiedet, aber selbst für vom UNHCR anerkannte Flüchtlinge gibt es nur einen UNHCR-Ausweis, der keine Rechte in Marokko gibt außer dem, nicht abgeschoben zu werden. In der letzten Zeit nahmen Razzien und Aussetzungen an der (geschlossenen)n algerischen Grenze, die es 2007/2008 massenhaft gab, wieder stark zu, und vor ein paar Tagen gab es einen Versuch von mehreren MigrantInnen, die Zäune von Ceuta und Melilla zu überwinden, wobei ein marokkanischer Polizist zu Tode kam und viele MigrantInnen verletzt wurden. Als Reaktion darauf wurden in Nador (nahe Melilla) 400 MigrantInnen, darunter 26 schwangere Frauen, festgenommen und nach Oujda (an der algerischen Grenze) zurück geschoben.

Emmanuel vom Netzwerk Afrique-Europe-Interact, urspr. aus der DR Kongo, lange Aktivist in Marokko und jetzt in den Niederlanden, stellte Kämpfe von MigrantInnen in Marokko dar, in denen es um die Respektierung der Rechte von Flüchtlingen und Asylsuchenden ging. „Ich habe diesen Kampf begonnen, während ich noch Asylsuchender war und das hatte Auswirkungen auf meinen Status. Ich musste lange warten, um die Flüchtlingsanerkennung zu bekommen, aber trotzdem kämpfte ich weiter. Aber heute, nachdem ich aus dem Flüchtlingscamp Choucha komme, habe ich das Gefühl, dass dieser Kampf ein Misserfolg war und wir weitermachen müssen, dafür zu kämpfen, dass die Rechte aller Flüchtlinge überall anerkannt werden. Deshalb fordere ich unsere Freunde, die Flüchtlinge in Choucha, auf, nicht aufzugeben. Wie immer die Bedingungen sind. Unter denen sie leben, müssen sie für die Verteidigung ihrer Rechte kämpfen. Unsere tunesischen Freunde frage ich, ob die Revolution, die sie gemacht haben, für die Verteidigung von universellen Werten, Rechten und Freiheiten war. Und diese Werte müssen für alle gelten, einschließlich der Flüchtlinge, Asylsuchenden und subsaharischen MigrantInnen, die in Tunesien leben. Man kann nicht von Europa fordern, die Rechte tunesischer MigrantInnen zu respektieren, während man hier in Tunesien die Rechte subsaharischer MigrantInnen nicht respektiert.“

Mohamed von der marokkanischen Gewerkschaft ODT stellte die Gründung der ersten Gewerkschaft von eingewanderten ArbeiterInnen in einem arabischen Land dar. Hintergrund ist, dass viele MigrantInnen inzwischen über 10 Jahre in Marokko leben, also nicht mehr im Transit sind. Viele arbeiten, aber unter übelsten Bedingungen, und es müsse darum gehen, Rechte zu erkämpfen. Am 1. Mai 2012 seien subsaharische MigrantInne gemeinsam mit marokkanischen ArbeiterInnen als Block auf der Demonstration aufgetreten.

Leider blieb keine Zeit, über solche und andere Perspektiven migrantischer Kämpfe zu diskutieren.

Hingewiesen wurde darauf, dass am 6./7. Oktober 2012 in Oujda ein “Sozialforum der MigrantInnen” stattfinden wird.

 

30. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für Streik der MigrantInnen in Apulien · Kategorien: Italien, Lesetipps, Tunesien

Vor genau einem Jahr kam es zum ersten großen und erfolgreichen Streik (nord-)afrikanischer ArbeiterInnen auf den Landwirtschaftsplantagen Apuliens. Die migrantischen Arbeitskräfte kamen zu dieser Saisonarbeit teils aus den norditalienischen Fabriken, zum Teil waren sie als Boat-people vor Kurzem in Süditalien gelandet. Arbeit und Unterbringung in Zelten erfolgten in enger Zusammenarbeit von Unternehmern, Rathaus-Service und karitativen Einrichtungen. Die Anwerbung und Kontrolle lief über das „caporalato“, eine Zwischenschicht von „selbständigen“ Vorarbeitern, die aus denselben zentral-, west- und nordafrikanischen Ländern stammten wie die Arbeitskräfte.

Der Streik richtete sich gegen diese Zwischenschicht. Die Arbeiter wollten direkt über ihren Lohn und die Nebenausgaben bestimmen bzw. darüber direkt mit den Unternehmern verhandeln. Sie gewannen. Während des Streiks kam es auf der nahegelegenen Autobahn auch zu Blockaden von AfrikanerInnen, die gerade aus Abschiebeknästen ausgebrochen waren.

Wie sieht die Situation ein Jahr später aus? Die Unternehmer meiden den Ort des ersten Streiks. Es gibt im Sommer 2012 dort keine Arbeit.

Siehe die ausgezeichneten Untersuchungen:

Devi Sacchetto, Gianluca Nigro, Mimmo Perrotta, Yvan Sagnet
Sulla pelle viva. Brigate di solidarietà attiva
Nardò: la lotta autorganizzata dei braccianti agricoli
Rom (DeriveApprodi) 2012

und:

La normalità a cottimo
Ritornare a Nardò a un anno dallo sciopero, luglio 25, 2012
di MIMMO PERROTTA e DEVI SACCHETTO

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30. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für b4p Überblick zur Kriminalisierung der Rettung im Mittelmeer · Kategorien: Italien, Libyen, Tunesien · Tags: , , , ,

ein Artikel von Mediapart:

Migrations: le sauvetage maritime en perdition

29 juillet 2012 | Par Carine Fouteau
Comment est-il possible qu’une embarcation dérive quinze jours en Méditerranée sans que ses passagers ne soient secourus? Cette question n’est pas théorique, elle s’applique à de multiples cas dont au moins deux recensés en 2011 et 2012, dans cette mer qui est l’une des plus fréquentée au monde. Des milliers de pêcheurs, de marins de navires marchands, de militaires et de plaisanciers y naviguent, surtout en cette saison estivale, qui est aussi celle où les migrants tentent le plus souvent la périlleuse traversée.