21. Dezember 2013 · Kommentare deaktiviert für Syrien: Humanitäre Hilfe als Kriegswaffe – nzz.ch · Kategorien: Syrien · Tags:

„Notlage in Syrien

Humanitäre Hilfe als Kriegswaffe

Der Uno-Appell zur Hilfe für syrische Kriegsopfer kaschiert ein grundlegendes Problem. Die Bevölkerung in den Rebellengebieten ist von humanitärer Hilfe weitgehend abgeschnitten. Im Bürgerkriegsgebiet ist eine Endkontrolle schwer möglich.

Martin Woker

Die Uno hat zu Wochenbeginn in Genf einen Appell für rekordhohe Hilfeleistung an die syrischen Kriegsopfer lanciert. Nach den Angaben der Koordinatorin für humanitäre Hilfe, Valerie Amos, werden für das kommende Jahr 6,5 Milliarden Dollar erforderlich sein, um die Hilfeleistung im Kriegsgebiet und in den Nachbarländern zu finanzieren. Davon sind 4,2 Milliarden Dollar für Unterstützung an die weit über zwei Millionen Flüchtlinge vorgesehen, die sich derzeit in Libanon, Jordanien, in der Türkei und im Norden des Iraks aufhalten. Nach Schätzungen der Uno wurden über sechs Millionen Syrer, etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung, im eigenen Land vertrieben.

Aushungern als Taktik

Während die Bedürfnisse der Flüchtlinge und Vertriebenen offensichtlich sind, wird in dem von hochwinterlichen Verhältnissen geprägten Kriegsgebiet die Notlage der gesamten Bevölkerung immer deutlicher. Besonders alarmierend ist der Umstand, dass Hunger und Kälte zur Kriegswaffe werden. So verweigert unter anderem in den Vorstädten von Damaskus und in Teilen der Stadt Homs das Regime von Bashar al-Asad die Lieferung humanitärer Güter periodisch. Die Taktik dahinter ist klar: Die Bevölkerung in Gebieten unter Kontrolle von Rebellen soll ausgehungert werden. Entsprechend straff ist die Kontrolle über die Vergabe von jeglicher Hilfeleistung, die der Bewilligung der Behörden in Damaskus bedarf.

Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Médecins sans Frontières (MSF) leben in Syrien derzeit fünf bis sieben Millionen Personen in Regionen ausserhalb der Regierungskontrolle. In diesen meist grenznahen Gebieten herrsche ein humanitärer Notstand, sagt die Präsidentin von MSF International, Joanne Liu, im Gespräch. In einem Notruf an eine derzeit in Genf tagende Staatengruppe, die sich um verbesserte Hilfeleistung in Syrien bemüht, unterstrich sie die Notwendigkeit grenzüberquerender Hilfe. Dabei sei eine Kooperation auch mit den radikalsten Rebellengruppen unerlässlich, betont Liu. […]“

via Notlage in Syrien: Humanitäre Hilfe als Kriegswaffe – Auslandnachrichten Nachrichten – NZZ.ch

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