Quelle: DW
Er war in der Welt zuhause. Vor allem da, wo es schmerzt zu leben. Rupert Neudeck, Mitbegründer des Hilfskomitees „Cap Anamur“, ist gestorben. Volker Wagener erinnert sich an einen sympathischen Querkopf.
Es war mitten in einer der vielen jugoslawischen Kriege Mitte der 90er Jahre. Gesprächstermin bei Rupert Neudeck privat. Ein schlichtes Reihenhaus in Troisdorf zwischen Köln und Bonn. Thema: Eine große Spendenaktion für Mostar, die Stadt in Bosnien-Herzegowina, der die ethnische Vielfalt zum Verhängnis geworden war. Neudeck, der Profi in Sachen Helfen, gibt Tipps, telefoniert zwischendurch mit Mitarbeitern seiner Organisation in Afrika und sucht immer mal wieder nach Unterlagen – auf dem Sofa und auch darunter. Seine Kommandozentrale für die mutmaßlich kleinste Hilfsorganisation der Welt ist seine Wohnküche. Von hier aus, aus der deutschen Provinz, mischt er sich ein – jahrzehntelang. Christel, seine Frau, ist mittendrin. Zwischen Bügeln und Abwasch koordiniert sie Einsätze vor Ort. Als sei es das Normalste der Welt.