Nach Beginn der Repression im Rif vor zwei Wochen – Verhaftung und anscheinend Folterung von mind. 86 AktivistInnen wegen „Komplotts gegen den Staat“, aber weiterhin tägliche Abenddemonstrationen in Dörfern und Städten Nordmarokkos – hat am 11.06.2017 eine Solidaritätsdemonstration mit 1 Million TeilnehmerInnen in Rabat stattgefunden. Gerufen wurden dieselben Slogans wie im Rif: „Freiheit – Würde – soziale Gerechtigkeit“; „Gegen die Arroganz der Macht [hogra]; gegen Marginalisierung“. Zur Demonstration hatte sich ein ähnliches Bündnis herausgebildet wie in der kurzen marokkanischen Arabellion 2011.
Die Demonstration zerschlug mit ihrer massiven Präsenz eine rabiate staatliche und parastaatliche Medienkampagne gegen die Rif-Unruhen. In den vergangenen Wochen hatten die TV-Staatssender Fake-Fotos von Hooligan-Verwüstungen andernorts als Rif-Randale präsentiert. Hetze-Unterstellungen aus dem Regierungslager beförderten die Fehlinformationen. Marokkanische Militärs in US-amerikanischen Uniformen kündigten in Youtube-Clips parastaatlichen Terror an. Nachdem sich die Social-Media-Nachrichten aus dem Rif nicht unterdrücken ließen, startete eine massenhafte Denunzierung über facebook etc. Nun setzten die DemonstrantInnen nicht nur ein Zeichen, dass die Einschüchterung nicht funktioniert. Auch die Desorientierungs-Kampagnen sind ins Leere gelaufen.