02. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Libyen, Tripolis: Internierungslager Sibrata Mentega Delila · Kategorien: Eritrea, Italien, Libyen · Tags: ,

Italien überstellt auf Hoher See Flüchtlinge an libysche Marine

21.07.2012

Eine Gruppe von 350 Personen, davon 50 Frauen – 6 Schwange – und zwei kleine Kinder befinden sich im Internierungslager Sibrata Mentega Delila (Tripolis). Zum Teil sind sie krank und brauchen ärztliche Hilfe. 76 von ihnen waren bereits auf dem Meer und waren in Seenot geraten.

Zunächst hatte eine Ölförderplattform im Mittelmeer Flüchtlinge aufgenommen und den Notruf ausgelöst. Die übrigen Flüchtlinge wurden dann von einem italienischen Schiff gerettet. Anschließend kam die libysche Marine und hat alle Flüchtlinge mit Gewalt auf ihr Schiff gebracht. Dann ging es zurück in libysche Gewässer und in den Hafen von Tripolis. Das war am 29.06.2012. Seitdem sind sie in dem genannten Lager.

Es handelt sich um eritreische Flüchtlinge. Die Praxis der koordinierten Rückschiebung geht auf italienisch-libysche Übereinkommen zurück.

Das genannte Internierungslager befindet sich noch im Bau. In diesen Tagen wurden weitere 125 eritreische Flüchtlinge dorthin gebracht. Sie wurden von libyschen Militärs bedroht, ihnen wurde kein Essen und nichts zu Trinken gegeben, sie mussten fasten wie Muslime, wie ihnen ausdrücklich gesagt wurde. Auch schwangere Frauen waren davon betroffen. Am Abend wurde nur Muslimen Essen gegeben.

Alle in diesem Lager fordern politisches Asyl.

Wir fordern die italienischen Behörden auf zu verhindern, dass die eritreischen Flüchtlinge nach Eritrea abgeschoben werden. Dort droht ihnen Lebensgefahr. Ausserdem fordern wir, dass diese Flüchtlinge sofort unter Schutz des UNHCR Tripolis gestellt werden, sowie: Religionsfreiheit, keine Folter!

Fr. Mussie Zerai
Chairman of Habeshia Agency
Cooperation for Development
E-mail: agenzia_habeshia@yahoo.it
http://habeshia.blogspot.com
Phon+39.3384424202
Phon: +41(0)765328448

02. August 2012 · Kommentare deaktiviert für B4p Versuch einer Zusammenfassung des Workshops “MigrantInnenrechte” · Kategorien: Libyen, Tunesien · Tags: ,

Choucha und Kämpfe im Maghreb

1. Teil: Situation im Camp Choucha an der tunesisch-libyschen Grenze und Handlungsmöglichkeiten

Am 11.7. eine international zusammengesetzte Delegation aus 11 AktivistInnen aus Europa und Afrika in Choucha. Ihr Ziel war, VertreterInnen der verschiedenen Flüchtlings-Communities, die zum Forum nach Monastir eingeladen wurden, abzuholen. Die Delegation wurde vom Militär daran gehindert, das Camp zu betreten (das sei nur mit offizieller Erlaubnis des Verteidigungsministeriums möglich, und dieses hatte nach einem Anruf des UNHCR den Zutritt verweigert). Es war jedoch möglich, sich vor dem Camp mit Flüchtlingen zu treffen, und da einige der schon vorher Eingeladenen aus verschiedenen Gründen nicht mit nach Monastir kommen konnten (z.B. wegen Anhörungsterminen) oder wollten (aus Angst vor Repressionen) bzw. nicht erreicht werden konnten, wurde eine neue Gruppe aus acht VertreterInnen von Flüchtlingen aus Äthiopien (darunter zwei Oromo-Frauen), Sudan, Darfur, Somalia, Tschad und Bangladesch zusammengestellt, die am 12.7. zusammen mit der Delegation nach Monastir fuhr.

Zu Beginn des Workshops stellten sich alle Flüchtlinge vor, einige wollen aber anonym bleiben, da sie sonst Repressionen befürchten. Deshalb hier nur eine Kurzfassung ihrer Beiträge ohne Namen:

– Eine junge Äthiopierin beklagte, dass ihr Asylantrag vom UNHCR abgelehnt wurde, obwohl ihr nach ihrer Flucht aus Libyen gesagt wurde, in Choucha würde ihr geholfen, woanders hin zu kommen.

– Ein Sudanese, der 21 Jahre in Libyen gelebt hat, sagte, es seien Subsahara-AfrikanerInnen gewesen, die Libyen mit ihrem Schweiß aufgebaut hätten, und seit der Flucht vor dem Krieg dort sei er ohne Papiere außer seinem 21 Jahre alten Pass.

– Ein Flüchtling aus Darfur sagte, dass er vorher in Libyen war und seit 1 1/2 Jahren in Choucha sei und einer der wenigen, die den Flüchtlingsstatus bekam. Er beklagte die Hitze im Camp, wo er auf Resettlement (Übersiedlung in ein Aufnahmeland) wartet.

– Ein junger Mann aus Bangladesch, der seit März 2011 in Choucha ist, stellte die Probleme in seinem Land dar (Überschwemmungen, Überbevölkerung), die aber nicht als Asylgründe anerkannt werden. In Libyen hatte er auch große Probleme, weil manche Bangladeschi unter Gaddafi gute Posten hatten und deshalb von den Rebellen/neuen Machthabern alle als Gaddafi-Anhänger verfolgt werden.

– Ein Flüchtling aus Somalia versuchte zusammen mit anderen, per Boot nach Italien zu gelangen, aber bei der Überfahrt ging ihnen das Wasser aus. Ein tunesisches Boot half ihnen und rief ein tunesisches Militärschiff. Dort sagte man ihnen, man werde sie nach Italien bringen. Aber tatsächlich mussten sie sich an Bord hinsetzen, ohne sich zu bewegen und wurden nach Choucha gebracht. Dort sagte ihnen der UNHCR, dass sie zu spät kämen – es würden keine Asyl- und Resettlementverfahren mehr durchgeführt seit Ende 2011. So ist er ohne Papiere und Perspektive im Camp, wo es im Winter eiskalt und im Sommer zu heiß ist.

– Ein Mann aus dem Tschad, der im März 2011 in Choucha ankam, bekam vom UNHCR gesagt, dass es in seinem Land keine Probleme gebe, und ihm wurde die Registrierung verweigert. Bei 85% der Menschen aus dem Tschad wurde der Asylantrag abgelehnt. Es gebe 47 Nationalitäten im Camp. Ca. 2900 Asylanträge wurden anerkannt, 300 abgelehnt, darunter 150 aus dem Tschad. Der Konflikt in Libyen habe sie nach Choucha getrieben, da es Leute aus dem Tschad gab, die mit Gaddafi kämpften und deshalb alle als dessen Söldner betrachtet werden. Einige versuchten, zurück zu gehen nach Libyen und wurden dort getötet. Jetzt gebe es ein neues Angebot: 700 Euro für eine freiwillige Rückkehr – aber die meisten könnten nicht zurück in ihre Herkunftsländer.

Anschließend wurde entlang dem Entwurf der Presseerklärung (siehe Endversion im Anhang), die am 11.7. zusammen mit einigen der Flüchtlinge geschrieben wurde, die allgemeine Situation im Camp Choucha dargestellt. Flüchtlinge aus Choucha und einige Workshop-TeilnehmerInnen schlugen Ergänzungen zum Text vor, z.B. zur Situation von Frauen im Camp, insbes. was die hygienischen Bedingungen betrifft, zur Situation der Kinder und zur mangelnden medizinische Versorgung, z.B. auch von Flüchtlingen, die harte Arbeiten in der Umgebung des Camps ausführen, um etwas Geld zu verdienen und die dabei verletzt wurden. Ihnen werde nur gesagt: “Ihr habt kein Recht, das Camp zu verlassen, also seid Ihr selbst schuld!” Ein Flüchtling beklagte auch die mangelnden Bildungsmöglichkeiten im Camp. Vorgeschlagen wurde, noch mehr zu betonen, dass den Flüchtlingen in Choucha das Recht auf jegliche (Bewegungs-)Freiheit verweigert werde, es also nicht nur um die schlechten Lebensbedingungen im Camp gehe. Alle müssten das Recht haben, sich irgendwo anders niederzulassen! Ein Aktivist aus Mali zeigte sich schockiert davon, dass in Tunesien nach der Revolution eine solche Behandlung von MigrantInnen existiere. Man müsse die tunesische Öffentlichkeit informieren!

In der Diskussion wurde von einem Aktivisten aus Mauretanien vorgeschlagen, mit einerDelegation des Forums nach Choucha zu fahren. Die meisten Flüchtlinge lehnten das jedoch als wenig nützlich, evtl. sogar gefährlich für sie ab. Es habe schon viele Delegationen gegeben, und nichts sei dabei herausgekommen. Wichtiger sei, dass die AktivistInnen und die Medienauf die Regierungen in ihren Ländern und beim UNHCR Druck machen, dass es eine Lösung für die Flüchtlinge in Choucha gibt. (Letzlich wurden die Flüchtlinge am 14.7. von zwei tunesischen Aktivisten nach Choucha begleitet, da einige von ihnen sich allein nicht sicher fühlten auf der Reise.)

2. Situation und Kämpfe von MigrantInnen in Mali und im Maghreb allgemein

Vertreter der AME und der ARACEM (malische Organisationen zur Unterstützung Abgeschobener) stellten die veränderte Situation in Mali seit der Rebellion der Tuareg und der Abspaltung des Nordens dar. Dadurch sind auch viele TransitmigrantInnen blockiert, und viele wollen zurück, können es aber nicht. Insbesondere die Frauen sind in einer sehr schwierigen Situation.

Ein in Tunesien lebender Malier, der auch in Algerien war, stellte die Situation in beiden Ländern dar: In Algerien gebe es keinen Status für MigrantInnen, und viele würden an die Grenzen zurück geschoben. Nach Tunesien kämen viele MigrantInnen per Flugzeug (kein Visum nötig) und hätten dann ein Aufenthaltsrecht von 90 Tagen, viele können (oder wollen) aber nicht zurück und können dann jederzeit festgenommen werden. Vor der Revolution wurden sie, falls sie nicht selbst ihren Rückflug bezahlen können, an die libysche Grenze zurück geschoben. Das passiere jetzt nicht mehr. Sie würden meist nach einiger Zeit freigelassen und lebten dann als sans papiers in Tunesien, was schwierig sei wegen der Kontrollen, aber auch mangels Arbeitsmöglichkeiten. Ein Asylgesetz gibt es bisher in Tunesien nicht, es ist aber in Arbeit.

Rym, eine Aktivistin aus Algerien, ergänzte, dass bei ihnen in Algier täglich ca. 30-35 MigrantInnen empfangen würden, meist Asylsuchende. Sie erhalten ein papier, das aber weder Schutz noch Rechte gibt.

Eine Aktivistin der GADEM aus Marokko stellte die rechtliche und politische Situation dort dar: Marokko hat zwar die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet und ein Gesetz “02/03” betr. Migration verabschiedet, aber selbst für vom UNHCR anerkannte Flüchtlinge gibt es nur einen UNHCR-Ausweis, der keine Rechte in Marokko gibt außer dem, nicht abgeschoben zu werden. In der letzten Zeit nahmen Razzien und Aussetzungen an der (geschlossenen)n algerischen Grenze, die es 2007/2008 massenhaft gab, wieder stark zu, und vor ein paar Tagen gab es einen Versuch von mehreren MigrantInnen, die Zäune von Ceuta und Melilla zu überwinden, wobei ein marokkanischer Polizist zu Tode kam und viele MigrantInnen verletzt wurden. Als Reaktion darauf wurden in Nador (nahe Melilla) 400 MigrantInnen, darunter 26 schwangere Frauen, festgenommen und nach Oujda (an der algerischen Grenze) zurück geschoben.

Emmanuel vom Netzwerk Afrique-Europe-Interact, urspr. aus der DR Kongo, lange Aktivist in Marokko und jetzt in den Niederlanden, stellte Kämpfe von MigrantInnen in Marokko dar, in denen es um die Respektierung der Rechte von Flüchtlingen und Asylsuchenden ging. „Ich habe diesen Kampf begonnen, während ich noch Asylsuchender war und das hatte Auswirkungen auf meinen Status. Ich musste lange warten, um die Flüchtlingsanerkennung zu bekommen, aber trotzdem kämpfte ich weiter. Aber heute, nachdem ich aus dem Flüchtlingscamp Choucha komme, habe ich das Gefühl, dass dieser Kampf ein Misserfolg war und wir weitermachen müssen, dafür zu kämpfen, dass die Rechte aller Flüchtlinge überall anerkannt werden. Deshalb fordere ich unsere Freunde, die Flüchtlinge in Choucha, auf, nicht aufzugeben. Wie immer die Bedingungen sind. Unter denen sie leben, müssen sie für die Verteidigung ihrer Rechte kämpfen. Unsere tunesischen Freunde frage ich, ob die Revolution, die sie gemacht haben, für die Verteidigung von universellen Werten, Rechten und Freiheiten war. Und diese Werte müssen für alle gelten, einschließlich der Flüchtlinge, Asylsuchenden und subsaharischen MigrantInnen, die in Tunesien leben. Man kann nicht von Europa fordern, die Rechte tunesischer MigrantInnen zu respektieren, während man hier in Tunesien die Rechte subsaharischer MigrantInnen nicht respektiert.“

Mohamed von der marokkanischen Gewerkschaft ODT stellte die Gründung der ersten Gewerkschaft von eingewanderten ArbeiterInnen in einem arabischen Land dar. Hintergrund ist, dass viele MigrantInnen inzwischen über 10 Jahre in Marokko leben, also nicht mehr im Transit sind. Viele arbeiten, aber unter übelsten Bedingungen, und es müsse darum gehen, Rechte zu erkämpfen. Am 1. Mai 2012 seien subsaharische MigrantInne gemeinsam mit marokkanischen ArbeiterInnen als Block auf der Demonstration aufgetreten.

Leider blieb keine Zeit, über solche und andere Perspektiven migrantischer Kämpfe zu diskutieren.

Hingewiesen wurde darauf, dass am 6./7. Oktober 2012 in Oujda ein “Sozialforum der MigrantInnen” stattfinden wird.

 

01. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Fischerboot rettet 120-130 Boat-people vor Lampedusa · Kategorien: Italien, Libyen · Tags: ,

Nach Motorschaden Küstenwache angerufen

Am 31.07.2012 um 18 Uhr hat ein sizilianisches Fischerboot „Giovanni Vincenzo“ 55 Seemeilen vor Lampedusa 120 bis 130 Boat-people gerettet. Sie waren am Morgen aus Libyen aufgebrochen und nach einem Motorschaden die italienische Küstenwache angerufen. Die kamen und haben dann das Fischerboot zur Rettung aufgefordert.

Unter den Passagieren befanden sich ungefähr 30 Frauen und ein kleines Kind. Viele kamen zunächst ins Krankenhaus. Die anderen von der Kooperative «Lampedusa accoglienza» wurden in das geschlossene Zentrum „Contrada Imbriacola“ gebracht. Der Bürgermeister persönlich ist an die Anlegestelle gekommen und hat die Habseligkeiten der Boat-people aufgehoben. Die Kooperative hatte sich geweigert, das zu machen.

Das war das dritte Schiff, das seit dem letzten Wochenende in Lampedusa angekommen ist. Am 27.07. waren ca. 40 TunesierInnen angekommen und nach Sizilien gebracht worden. Am Abend desselben Tages waren 64 SomalierInnen von der Küstenwache aufgebracht und in das Zentrum „Contrada Imbriacola“ gebracht worden.

http://www.agrigentooggi.it/lampedusa-133-immigrati-salvati-al-largo-dellisola/

30. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für b4p Überblick zur Kriminalisierung der Rettung im Mittelmeer · Kategorien: Italien, Libyen, Tunesien · Tags: , , , ,

ein Artikel von Mediapart:

Migrations: le sauvetage maritime en perdition

29 juillet 2012 | Par Carine Fouteau
Comment est-il possible qu’une embarcation dérive quinze jours en Méditerranée sans que ses passagers ne soient secourus? Cette question n’est pas théorique, elle s’applique à de multiples cas dont au moins deux recensés en 2011 et 2012, dans cette mer qui est l’une des plus fréquentée au monde. Des milliers de pêcheurs, de marins de navires marchands, de militaires et de plaisanciers y naviguent, surtout en cette saison estivale, qui est aussi celle où les migrants tentent le plus souvent la périlleuse traversée.
30. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für b4p Interview zu Flüchtlingen in Libyen · Kategorien: Italien, Libyen · Tags: ,

Rebellen wollen Libyen »säubern«
Für Migranten und Flüchtlinge hat sich die Lage seit dem Sturz Gaddafis nicht gebessert

Messaoud Romdhani ist Sprecher der tunesischen  Sektion  der  Internationalen Föderation für Menschenrechte
(FIDH). Mit einer internationalen Delegation der FIDH besuchte er im Juni eine Woche lang fünf Internierungs-
lager  für  Migranten  in  Libyen.  Mit Romdhani sprach für »nd« Matthias Heintze.

Das ist Interview ist nach dem Beitrag von Messaoud Romdhani auf dem Vorbereitungstreffen des Weltsozialforums in Monastir (Tunesien) – b4p-Eröffnungspanel – entstanden.

ND, 25.07.2012, vollständiger Text hier:

08al-25072012-b

17. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für Choucha – B4p Presseerklärung eines Workshops in Monastir · Kategorien: Libyen, Tunesien · Tags: , ,

14.7.12: Presseerklärung zum Camp Choucha an der tunesisch-libyschen Grenze

Etwa 3000 MigrantInnen und Flüchtlinge, die 2011 vor dem Krieg in Libyen flohen, leben noch immer unter unmenschlichen Bedingungen im Flüchtlingslager Choucha (Tunesien) nahe der libyschen Grenze. Die meisten kommen aus Afrika südlich der Sahara, aber es gibt auch einige aus Bangladesch, Pakistan, Palästina und Irak.

Einige im Camp wurden als Flüchtlinge anerkannt und warten auf Resettlement (Umsiedlung). Ein weiterer Teil wartet auf die Entscheidung des UNHCR darüber. Einigen hundert wird jeglicher Status verweigert, weil ihre Verfahren nicht korrekt abgelaufen sind und sie keine Anwälte und keine guten Übersetzer hatten.

Für eine große Zahl von Neuankömmlingen, darunter viele auf See zurückgeschobene Bootsflüchtlinge, wurden keine Verfahren eröffnet.

Denjenigen, die nicht als Flüchtlinge anerkannt wurden, wird durch den UNHCR und das Militär damit gedroht, dass sie wieder nach Libyen oder ihre Herkunftsländer geschickt werden, ohne Rücksicht auf ihre vielfältigen Probleme dort. Wenn sie nicht gehen, können sie jederzeit verhaftet und eingesperrt werden.

Alle Menschen im Lager, darunter kleine Kinder, leiden in dieser Wüste bei Temperaturen von mehr als 40°C am Tag und häufigen Sandstürmen. Nur einige Beispiele für die Lebensbedingungen in diesem Lager:

  • Es wird nicht genügend Trinkwasser ausgegeben (nur eine Flasche pro Tag).
  • Es gibt keine Duschen und nur kaputte Toiletten, ohne jegliche Intimsphäre, was besonders schlimm ist für die Frauen.
  • Im Lager gibt es Schlangen, Skorpione, Mücken und Ratten und die Menschen können sich nicht dagegen schützen.
  • Das Essen hat eine sehr schlechte Qualität, es gibt weder Fleisch noch Gemüse und die Menge reicht nicht aus.
  • Die Menschen erhalten kein Geld und keine Bekleidung.
  • Die medizinische Versorgung ist sehr schlecht und niemand kümmert sich um die durch Folter und Krieg in Libyen oder den Herkunftsländern traumatisierten Menschen.

Das Militär kontrolliert das Lager und lässt keine Besucher zu ohne offizielle Erlaubnis des Verteidigungsministeriums. Die MigrantInnen können sich nicht einmal in Tunesien frei bewegen ohne die Verhaftung zu riskieren. Die meisten Leute, darunter auch kleine Kinder, sind seit mehr als 18 Monaten im Lager Choucha. Einige versuchten, nach Libyen zurück zu gehen, aber wurden dort verhaftet und gefoltert. Einige Leute waren so verzweifelt, dass sie versuchten, per Boot nach Europa zu kommen, wurden aber zurückgeschoben oder starben im Meer.

In den letzten Monaten hat es selbst organisierte Proteste gegeben unter dem Namen “Voice of Choucha“. Die MigrantInnen haben die folgenden Forderungen:

– Neubegutachtung der Verfahren der abgelehnten Asylsuchenden

– Schnellere Verfahren und Resettlement-Plätze für mehr Leute

– Humane Behandlung und Lebensbedingungen, was nicht möglich ist in einem Lager wie Choucha

– Bewegungsfreiheit innerhalb und außerhalb Tunesiens

– Gleiche Rechte für alle, ohne Diskriminierung

Leute, die an Protesten teilnahmen, wurden durch den UNHCR und das Militär bedroht und die Menschen haben Angst, besonders weil einige MigrantInnen von Soldaten im Mai 2011 geschlagen und umgebracht wurden. Boats4People und der Workshop „MigrantInnenrechte“ des Forums in Monastir unterstützen ihren Kampf und fordern von den EU-Regierungen eine Öffnung der Grenzen für die MigrantInnen und Flüchtlinge aus Choucha und anderswo! Es muss sofort eine humane Lösung für alle gefunden werden zusammen mit dem UNHCR und der tunesischen Regierung!

Dies ist ein sehr dringender Fall und es muss sofort gehandelt werden!

http://voiceofchoucha.wordpress.com
http://boats4people.org

 

17. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für Schiffstragödie – 55 tote Boat-people – Presseecho (4) · Kategorien: Italien, Libyen, Tunesien · Tags: , , , ,

Schiffsunglück im Mittelmeer. 300 lange Stunden auf dem Meer
taz 17.07.2012. Von Christian Jakob

„Der Eritreer Abbas S., der einzige Überlebende eines havarierten Flüchtlingsschiffs, berichtet von seiner Odyssee. 55 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.
BEN GARDANE /taz/  Es war eines der schwersten Schiffsunglücke im Mittelmeer in diesem Jahr: 55 Afrikaner sind nach und nach verdurstet <http://taz.de/54-Fluechtlinge-im-Mittelmeer-gestorben/!97085/>, während sie versuchten, die Küste Italiens zu erreichen. Nun berichtet der einzige Überlebende, der 28-jährige Eritreer Abbas S., von dem 13 Tage währenden Drama. Im Krankenhaus der tunesischen Stadt Zarzis wurde er von zwei Wissenschaftlern des Londoner Goldsmith Colleges und Vertretern der Organisation Boats4People <http://www.boats4people.org/index.php/de/>befragt.“

Vollständiger Artikel:
http://taz.de/Schiffsunglueck-im-Mittelmeer-/!97407/

17. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für Schiffstragödie – 55 tote Boat-people – Presseecho (3) · Kategorien: Italien, Libyen, Tunesien · Tags: , , , ,

Tod im Mittelmeer. 54 Flüchtlinge verdursteten auf dem Weg nach Europa

Von Wolf H. Wagner, Florenz, Neues Deutschland 12.07.2012 / Ausland

„Erneut starben 54 Flüchtlinge bei dem Versuch, in einem Schlauchboot nach Europa zu gelangen. Nur ein Mensch überlebte, die anderen verdursteten während der zweiwöchigen Schreckensfahrt. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat appellierte an alle Schiffe im Mittelmeer, auf hilfsbedürftige Flüchtlinge zu achten.“

Vollständiger Artikel:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/232377.tod-im-mittelmeer.html

 

 

17. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für Schiffstragödie 55 tote Boat-people – Pressecho (2) · Kategorien: Italien, Libyen, Tunesien · Tags: , , ,

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer „Ich war allein“

Süddeutsche Zeiung, 13.07.2012, 15:50

Von Friederike Hunke

55 Flüchtlinge sind vor wenigen Tagen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks bei einem Bootsunglück auf dem Mittelmeer verdurstet oder ertrunken. Nun spricht der einzige Überlebende über seine Reise, die ihn von Eritrea nach Europa bringen sollte.

Vollständiger Text:

http://www.sueddeutsche.de/panorama/fluechtlingsdrama-im-mittelmeer-ich-war-allein-1.1411922

12. Juli 2012 · Kommentare deaktiviert für Schiffstragödie 55 tote Boat-people – Presseecho (1) · Kategorien: Eritrea, Italien, Libyen, Tunesien · Tags: , , , , , ,

Frankfurter Rundschau 13.07.2012
Flüchtlinge Mittelmeer. Alle in einem Boot
Von Thomas Schmid
„Zwei Schwestern und der ältere Bruder von Abbas […] ertranken im Mittelmeer. Nur er überlebte.
Ein fast schon alltäglicher Vorfall: Im Mittelmeer ertranken 55 Flüchtlinge. Aber diesmal ist eins anders: Einer überlebte – und legt Zeugnis ab.“

Vollständiger Artikel:

http://www.fr-online.de/meinung/fluechtlinge-mittelmeer-alle-in-einem-boot,1472602,16609020.html