Mitglieder der tunesischen Regierung sind mitsamt Staatssekretären seit dem 02.12.2012 in Algier auf Regierungsbesuch. Von algerischer Seite wird Tunesien aufgefordert, in gemeinsamen Projekten die tunesisch-algerische Grenze aufzurüsten. Auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sollen bilaerale Arbeitsgruppen gebildet werden, die den Aufbau einer schärferen Grenzsicherung vorantreiben sollen.
Montag, 10.12.2012
Lettre à ma sœur
19.00 Uhr
Lettre à ma sœur
Brief an meine Schwester
ALG 2006, R: Habiba Djahnine, 68′ Beta SP, OmeU
Elles
Sie
ALG 1966, R: Ahmed Lallem, Regie-Assistenz: Sarah Maldoror, 22’ 35 mm, Omfrz+dtU
„Nabila Djahnine, meine Schwester, ist am 15. Februar 1995 in Tizi-Ouzou, einer wichtigen Stadt in der Kabylei, ermordet worden. Nabila war die Präsidentin der dortigen Assoziation für die Verteidigung der Rechte der Frauen „Thighri N’tmettouth“ (Aufschrei der Frauen).“ Weiterlesen »
Sonntag, 09.12.2012
Jenseits des Miserabilismus – sie, wir & die Harraga
Brigitta Kuster im Dialog mit Helmut Dietrich
18:00 Uhr
De sable et de sang
Vom Sand und vom Blut
F/MRE 2012, R: Michel Le Thomas, K: Alain und Michel Le Thomas, Hamid, Mitwirkender: René Vautier, 27′ Beta SP, OmU
El Berrani
Der Fremde
ALG 2010, R: Aboubakar Hamzi, 25’ BetaSP, OmeU
Les trois cousins
Die drei Cousins
F 1970, R: René Vautier, 20′ 35 mm, OmU
In einem Gespräch mit Filmen und Filmausschnitten greifen Helmut Dietrich und Brigitta Kuster das Motiv der Mittelmeerüberquerungen auf und beleuchten dabei Aspekte wie transnationale Netzwerke und post-internationalistische soziale Bewegungen (Counter-Surveillance und die Ansätze des aktivistischen Projekts Boats 4 People auf dem westlichen Mittelmeer (http://boats4people.org)), sowie das populäre Repertoire und kulturelle Archive der Harraga (so die arabische Bezeichnung für jene, die die Überfahrt wagen). Weiterlesen »
Samstag, 08.12.2012
La Folle de Toujane
18.00 Uhr
La Folle de Toujane ou comment on devient un ennemi de l’interieur
Die Irre von Toujane oder wie man ein Feind im Innern wird
TUN/F 1974, P: Unité de Production Cinématographique de Bretagne, R: René Vautier, Nicole Le Garrec, K: Pierre Clément, Yann Le Masson, René Vautier, Mitwirkende: Gilles Servat, Micheline Welter, 142’ OmU
La Folle de Toujane ist Vautiers zweiter und letzter langer Spielfilm. Er erzählt die Geschichte von Roger (gespielt von dem bretonischen Sänger Gilles Servat), der die Bretagne verlässt, um als Lehrer nach Tunesien zu gehen. So trennt sich sein Weg von dem seiner Jugendfreundin Gwen, die in Paris eine Karriere beim Radio verfolgt. Gwen bleibt als gelangweilte Stimme aus der Metropole weiter präsent, doch Rogers Erfahrungen mit den (post)kolonialen Strukturen schieben sich zwischen die beiden. Der Krieg in Algerien wird auch in Tunesien spürbar. Roger versucht, einer traumatisierten, irre gewordenen Frau zu helfen und scheitert furchtbar. Er gesteht sich ein, dass er nur leben, kämpfen, etwas verändern kann – chez soi, das heißt dort, wo er sich zuhause fühlt. In der Bretagne soll ein Truppenübungsplatz eingerichtet werden. Der Rückkehrer Roger findet sich in einem Kampf gegen die Resignation der Dorfgemeinschaft wieder.
Weiterlesen »
Ohne Genehmigung
Die Filme von René Vautier. Cinéma militant, Internationalismus, anti-koloniale Kämpfe.
Berlin, Zeughaus Kino, Unter den Linden 2 (Eingang Spreeseite) 06.12.2012
La distribution de pain (ex: Réfugiés algériens en Tunisie)
Brotverteilung (ex: Algerische Flüchtlinge in Tunesien)
ALG/F 1957/2011, P: Hedy Ben Khalifat, R: Cécile Decugis, Schnitt und Text (2011): Cécile Decugis, 14‘ OmU
Anfang 1957 wurde auf Weisung des französischen Armeeministers entlang der algerisch-tunesischen Grenze ein elektrifizierter Grenzzaun mit Verminung errichtet, die sogenannte „Ligne Morice“ – eine verbotene Zone. Im Juni 1957 drehte die spätere Nouvelle-Vague-Cutterin Cécile Decugis mit Unterstützung des tunesischen Roten Halbmonds eine genaue Reportage über die Lage der Flüchtlinge. Der Ton ging verloren, Decugis hat 2011 eine neue Textfassung erstellt.
Algerien hatte 2002 einen Vertrag mit der IOM unterzeichnet – offensichtlich unter Druck der USA und der EU – und den Vertrag 2003 ratifiziert, hat aber bis heute der IOM nicht erlaubt, ein Büro in Algerien zu eröffnen. Zur Erinnerung: 2003 machten Politiker der EU-Staaten den Vorschlag, EU-Lager in Nordafrika zu eröffnen. In Tunesien konnte die IOM ein Büro eröffnen. – Die IOM ist die weltweit operierende Meister-Organisation für Abschiebungen unter schwierigen Bedingungen, sowie für „freiwillige“ Abschiebungen und für den Lagerbau.
Naima Benouaret, die in El Watan (03.12.2012) über algerische Harragas in Mellila schreibt (siehe ffm-online), beklagt sich in derselben Ausgabe über die Nichtzulassung der IOM in Algerien.
http://www.elwatan.com/economie/un-programme-de-reinsertion-dont-se-prive-l-algerie-03-12-2012-194492_111.php
Weiterlesen »
Naima Benouaret veröffentlicht in der Tageszeitung El Watan (03.12.2012) und auf http://www.algeria-watch.org/fr/article/pol/migration/humiliation_algeriens.htm Interviews und Reportagen zur Situation algerischer Harragas in der spanischen Enklave Melilla. Auch wenn der Ansatz der Autorin anscheinend auch darauf zielt, die kommerzielle Fluchthilfe und die korrupten Botschaftsangestellten und Beamten in Spanien blosszustellen, bieten die Interviews und Reportagen doch interessante Details zu den Fluchtmöglichkeiten aus Algerien. Außerdem stellen sie die soziale Brutalität des europäischen Abschiebe- und Abschreckungssystems dar.
Témoignages de harraga algériens: rencontres dans l’enclave espagnole de Melilla
le 03.12.12 | 10h00
Billel. 25 ans, originaire du quartier«les allemands» de Annaba
«J’étais parmi un groupe de 25 harraga qui a pu atteindre l’île de la Sardaigne en 2010. Nous avons été interceptés et arrêtés par les garde-côtes sardes. J’ai été placé au centre de rétention de Cagliari où j’ai passé un mois avant d’être transféré vers le centre de Gorizia, aux frontières italo-slovènes. J’y ai passé un mois avant mon transfert vers Rome d’où j’ai été rapatrié en Algérie à bord d’un vol Rome-Alger. Je suis rentré à Annaba et j’y suis resté près de deux ans avant de plier bagage et repartir. Cette fois, la destination était la ville marocaine de Tanger. Mon séjour a duré près d’un mois, le temps de préparer le nouveau voyage. Le trajet Alger-Bni Ansar m’a coûté au total environ 120 000 DA. C’est un contact algérois qui a tout arrangé. Voilà un mois et demi que je suis arrivé à Melilla que j’ai pu atteindre à la nage. De Bni Ansar au port de Melilla à la nage.»
Ohne Genehmigung
Die Filme von René Vautier. Cinéma militant, Internationalismus, anti-koloniale Kämpfe
Programm
19:00 Uhr
Ohne Genehmigung und sofort!
21:00 Uhr
Marée noire, colère rouge
Das algerische Verteidigungsministerium hat einen Grossauftrag zur Grenzüberwachung in der Sahara international für 1,5 Mrd. Dollar ausgeschrieben. Ursprünglich war die Aufrüstung der südlichen Grenze bereits für 2006 geplant, war dann aber immer wieder wegen der immensen Kosten verschoben worden. Die angekündigte Mali-Intervention führt nun zur Errichtung eines neuen Grenzregimes in der algerisch-malischen Sahara.
Geplant sind Überwachungsstandorte längs der Grenze mit elektronischer Alarm- und Radarfunktion. Die Anlage wird mit einer intensiven Luftüberwachung ergänzt. Algerische „Counter-insurgency“-Spezialtruppen sind an der Grenze aufgezogen. Ein erster 50 km langer Abschnitt bei der algerischen Stadt Bourj Badji Mokhtar wurde bereits mit elektronischer Grenzüberwachung aufgerüstet (FFM-online berichtete).
Der algerische Militärkommandant Ben Thamer lässt verlauten, dass Algerien den Grenzschutz auf doppelte Weise angeht: Einerseits werden neue Straßen gebaut, Glasfasernetze verlegt und die Zirkulation des grenzüberschreitenden Warenverkehrs gefördert. Andererseits sollen „Terroristen und Waffenschmuggler“ an ihren grenzüberschreitenden Bewegungen gehindert werden. Tatsächlich wird die aufgerüstete Grenze die Bande der lokal-mobilen Bevölkerung und die Strecken der Transitmigration zu zerschneiden versuchen.
13 neue Militärbasen für algerische Gendarmerie-Einheiten wurden bereits neu aufgebaut.
Mit der elektronischen und polizeilich-militärischen Grenzaufrüstung in der Sahara kommt Algerien den US- und EU-Forderung im Zuge der Mali-Krise nach. Zugleich markiert dieser Schritt eine Abkehr vom früheren algerischen Panafrikanismus. In der politischen Rhetorik wie auch mit der wachsenden Fahndung nach afrikanischen Transit-Flüchtlingen im Land war dieser Abschied seit langem eingeleitet.
Die Küstenwache hat 1 Seemeile vor Ghazaouet (Westalgerien, nahe der marokkanischen Grenze) 15 Harragas, unter ihnen 2 Palästinenser, aufgespürt. Sie wurden „der Justiz übergeben“. Das berichtet El Watan am 22.11.2012.