Quelle: Telepolis
Interview von Patrick Spät
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch über den oft diskriminierenden Sprachgebrauch bei der sogenannten „Flüchtlingsdebatte“
„Actions speak louder than words“, heißt es. Inwiefern beeinflusst der Sprachgebrauch überhaupt unser Denken – und damit unser Handeln?
Anatol Stefanowitsch: Sprache bildet nicht die Realität ab, sondern eine Perspektive auf die Realität. Insofern kann der Sprachgebrauch eine entscheidende Rolle bei der Bewertung von Menschen und Situationen spielen. Ein Lehrbuchbeispiel: Jemanden, der ein Regierungsgebäude in die Luft sprengt, können wir, je nach Perspektive, als „Terrorist“ oder „Freiheitskämpfer“ bezeichnen. Die Wahl, die wir treffen, zieht dann bestimmte Denk- und Handlungsmuster nach sich: Einen Terroristen müssen wir bekämpfen, einen Freiheitskämpfer dagegen unterstützen oder wenigstens Verständnis für seinen Freiheitskampf haben.