05. Januar 2014 · Kommentare deaktiviert für Syrien: adopt@revolution, Newletter 05.01.2014 · Kategorien: Syrien

Liebe AbonnentInnen des Newsletters, liebe Syrien-Interessierte,

Syrien startet in das Jahr 2014 mit einem denkbar pessimistischen Ausblick: Die humanitäre Katastrophe geht unvermindert weiter, die Hoffnungen auf Genf II liegen nahe null, AktivistInnen & ZivilistInnen werden zwischen Regimegewalt, Repression durch JihadistInnen und der schieren Notlage zusehends zerrieben. Dennoch gibt es Anlass, weiterhin den Blick nach Syrien zu richten, auch um Geschichten des Erfolgs und der Hoffnung wahrzunehmen. Wir hoffen, dass die Arbeit von Adopt a Revolution im vergangenen Jahr dazu beigetragen hat, Sie auf dem Laufenden zu halten. Wir werden uns auch 2014 bemühen, mit unseren PartnerInnen in Syrien erfolgreich zusammenzuarbeiten und auch in Deutschland ein Bild von der Lage in Syrien zu vermitteln. Im aktuellen Newsletter erhalten Sie einen vielfältigen Einblick über aktuelle Themen & Debatten in sowie zu Syrien.

Seit Monaten baut die Al-Qaida-Gruppe ISIS („islamischer Staat in Irak und Syrien“) ihren Einfluss in Nordsyrien aus, dabei gehen die ISIS-Kämpfer äußerst brutal gegen AktivistInnen, ZivilistInnen sowie verfeindete FSA-Gruppen vor. Die Menschen in den vom Regime befreiten Gebieten Syriens haben genug von der erneuten Repression durch ISIS, am vergangenen Freitag kam es zu einer Vielzahl von Protesten gegen ISIS – hier in Videos & Bildern dokumentiert: https://www.adoptrevolution.org/proteste-gegen-isis-freitag-3-januar-2014/

Folgendes Bild aus Maarat Al-Nouman (27.12.2013) fasst die Lage zusammen: „Die meisten von uns werden inzwischen von zwei Staaten gesucht“, dabei beziehen sich die AktivistInnen auf die doppelte Repression durch ISIS und das Regime.

In der Rubrik „Syrische Presse“ finden Sie einen Beitrag aus dem Magazin „Sendian“ über Syriens neue revolutionäre Presse: https://www.adoptrevolution.org/syriens-revolutionaere-presse/. Die „Sendian“ ist selbst ein Beispiel dieser neuen Medienlandschaft in Syrien.

Einen bewegenden Nachruf auf den syrisch-palästinensischen Künstleraktivisten Hassan Hassan können Sie unter https://www.adoptrevolution.org/palaestinensisch-syrischer-widerstand-zum-tode-hassan-hassan/ abrufen. Hintergrundinformationen sowie Videos sind im Beitrag enthalten. Hassan stammt aus dem Damaszener Viertel Camp Yarmouk und war dort auch künstlerisch tätig. Bei dem Versuch, das Camp zu verlassen, wurde Hassan samt Frau verhaftet. Während Hassans Frau nach einer Woche freikam, wurde Hassan selbst im syrischen Regime-Gewahrsam zu Tode gefoltert – vom selben Regime, das stets behauptet, der „Verteidiger des palästinensischen Volkes“ zu sein. Hassans Beispiel zeigt, wie sehr Palästina und Syrien miteinander verbunden sind.

Yarmouk selbst ist seit Monaten von Hilfslieferungen wie Nahrungsmitteln und Medikamenten abgeschnitten, das Regime blockiert alle Ausgänge des Camps. Daher haben zivilgesellschaftliche Gruppen aus dem Camp einen Appell an palästinensische Gruppen gestartet, sich für die BewohnerInnen Yarmouks einzusetzen und die humanitäre Lage zu beenden: https://www.adoptrevolution.org/hilferuf-yarmouk-tragoedie-ein-ende-setzen/

Ein Beitrag Kurt Peldas verdeutlicht, wie sehr die Menschen in den befreiten Gebieten Syriens im Stich gelassen werden, (westliche) Hilfsorganisationen sucht man in jenen Teilen Syriens vergeblich – dabei ist die Not mehr als offenkundig: https://www.adoptrevolution.org/im-stich-gelassen-eine-analyse-von-kurt-pelda/

Dass die Menschen in den befreiten Gebieten Syriens dennoch nicht aufgeben und sich weiterhin für eine Verbesserung der humanitären Lage einsetzen, zeigen zwei aktuelle Artikel aus Daraa und dem Umland von Damaskus. In Daraa haben AktivistInnen die Stadtverwaltung in die Hand genommen, das Regime sei eben nicht der Staat: https://www.adoptrevolution.org/das-regime-ist-nicht-der-staat/. Im Umland von Damaskus sollen Projekte wie Schulen und eine Gemeinschaftsküche den Alltag aufrechterhalten: https://www.adoptrevolution.org/wir-wollen-normalitaet-schaffen/

Ein aktueller Kommentar von Adopt a Revolution argumentiert daher, wie wichtig es sei, die AktivistInnen und zivilgesellschaftlichen Projekte in Syrien weiterhin zu unterstützen. Denn jene AktivistInnen und Projekte sind es, die die Zukunft Syriens – gegen das Regime wie JihadistInnen – in die Hand nehmen und gestalten wollen: https://www.adoptrevolution.org/der-aufstand-ist-gescheitert/

Am 10.12.2013 erreichte uns die traurige Nachricht, dass die Menschenrechtsanwältin Razan Zeitouneh mit drei weiteren AktivistInnen aus dem Umland von Damaskus verschleppt wurde. Das Team von AaR arbeitete zwei Jahre mit Zeitouneh zusammen. Bis dato gibt es keine Meldungen über den Verbleib der AktivistInnen. Auf unserem Blog haben wir ein Statement der Familie Zeitounehs sowie ein Interview mit der Wissenschaftlerin Pelican Mourad dokumentiert, unter https://www.adoptrevolution.org/category/freerazan-2/. Mourad fordert gerade auch von Deutschland mehr Engagement in der Sache Zeitounehs.

Unsere Presseschauen (unter https://www.adoptrevolution.org/category/presseschau/) informieren u.a. über folgende Themen:

  • Schwulsein in Syrien: Repression auf allen Seiten
  • Porträts aus Syrien: Bashar al-Assad und die entführte Aktivistin Samira al-Khalil
  • Syrien neuer Wallfahrtsort der internationalen JihadistInnen
  • die Herrschaft von ISIS in Raqqa
  • Assad als neuer Partner des Westens gegen Terrorismus?
  • Rojava/Syrien-Kurdistan: zwischen kurdischem Zwist & Kampf gegen JihadistInnen

Wir wünschen Ihnen ein erfolgreiches 2014. Wir hoffen, dass Syrien ein besseres Jahr bevorsteht.

Mit besten Grüßen,
das Adopt a Revolution-Team

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