Süddeutsche Zeitung | 10.09.2017
Italien soll nach Berichten einer Zeitung libysche Schlepper mit Geld bekehrt und so eine Flüchtlingsroute stillgelegt haben. Doch Rom dementiert den hartnäckigen Vorwurf und spricht vom erfolgreichen Einsatz der Küstenwache.
Von Oliver Meiler, Rom
Auf jeden Bericht folgt ein Dementi der Regierung, doch der Verdacht hält sich hartnäckig: Bezahlt Italien dubiose libysche Milizen dafür, dass sie Migranten an der Weiterreise nach Europa hindern und dann in fürchterliche Auffanglager stecken? Den jüngsten Beitrag dazu lieferte am Wochenende die Zeitung Corriere della Sera. Sie hat einen Reporter in die Küstenstadt Sabratha geschickt, damit er sich dort mit Politikern, Polizisten und Bürgern unterhält. Sabratha war bis vor Kurzem der wichtigste Ablegeplatz für Bootsreisen über das zentrale Mittelmeer gewesen, so etwas wie der Hoffnungshafen für Flüchtlinge. Seit einigen Monaten ist diese Route fast ganz stillgelegt, und in Sabratha sollen dieselben Leute, die bisher als Menschenschmuggler gearbeitet hatten, jetzt als Polizisten auftreten.