Die Abschiebeknäste in Algeciras und Tarifa, in die die verhafteten Boat-people in Andalusien gebracht werden, sind masslos überfüllt. Die Haftbedingungen sind auch nach offiziösen Darstellungen menschenunwürdig.
300 Flüchtinge und MigrantInnen, die seit 4 Tagen vor Malta im Meer trieben, konnten über eine italienische humanitäre Organisation erfolgreich SOS rufen.
SOS de un barco con unos 300 inmigrantes y una vía de agua frente a Malta
La Voz de Galicia, Malta / dpa, 2012-11-09
Un barco con unos 300 inmigrantes que se encuentra en aguas territoriales de Malta envió una llamada de emergencia tras cuatro días a la deriva en alta mar. La guardia costera italiana fue alertada por una organización humanitaria de este país dirigida por un sacerdote eritreo al que los inmigrantes llamaron por teléfono para decirle que el barco tenía una vía de agua y que amenazaba con hundirse.
Erneut sind Flüchtlinge und MigrantInnen in der Straße von Gibraltar ertrunken. Inzwischen beteiligen sich Frachtschiffe an eigenständigen Rettungsversuchen. Ein Frachtschiff unter Panama-Flagge hat zwei Überlebende eines Schiffsunglücks am 08.11.2012 an Bord genommen. Drei Personen werden vermisst. Ein Toter eines anderen Boots wurde von einem Frachtschiff 12 Meilen südwestlich von Tarifa entdeckt. (Die Strömung treibt Boote wie Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer auf den Atlantik.)
Trasladan a Málaga a dos supervivientes de una patera
Sur, J. C., 2012-11-09
Un mercante de bandera panameña rescató ayer a dos supervivientes de la patera que naufragó el miércoles en el Estrecho. El buque trasladó a los inmigrantes al puerto de Málaga, adonde tenía previsto arribar anoche. Salvamento Marítimo sigue buscando a otros tres ocupantes de la embarcación, que al cierre de esta edición continuaban desaparecidos.
Bei Oran wurde ein 38-Jähriger verhaftet. Er soll bekanntermassen grosse Kenntnisse in der Schifffahrt haben. Ihm wird vorgeworfen, in den letzten 10 Jahren zahlreiche heimliche Bootsfahrten von der westalgerischen Küste nach Spanien organisiert zu haben. Er wird in Aïn El Turck bei Oran vor Gericht gestellt werden.
Le Quotidien d’Oran 13.11.2012
http://www.lequotidien-oran.com/index.php?news=5175434
Die spanische Zeitung „ideal“ veröffentlicht am 03.11.2012 eine Zusammenfassung über die Operation Indalo (Leitung: Frontex) im laufenden Jahr 2012, gestützt auf die Nachrichtenagentur EFE. Demnach haben die Guardia Civil und die spanische Nationale Polizei seit Mai 2012 im Rahmen dieser Operation 35 (kommerzielle?) FluchthelferInnen festgenommen, die Boat-people geholfen haben sollen.
Ein Flugzeug von Frontex / Indalo hatte am 27.10.2012 ein Flüchtlingsboot überflogen, das überladen war, Hilfe brauchte – über 50 Personen dieses Boots ertranken anschließend. Die spanische Küstenwache und Überlebende hatten sich beschwert, dass Indalo / Frontex nach dem Überfliegen und Fotografieren des Boots in Seenot nicht oder nicht rechtzeitig die Rettungsdienste informiert hatte.
Bei dem Überwachungsflugzeug hatte es sich um ein deutsches oder ein maltesisches Flugzeug gehandelt. – Im vorliegenden Zeitungsbericht heisst es, dass sich an Indalo im Jahr 2012 Einsatzkräfte und -flugzeuge aus „España, Eslovaquia, Italia, Islandia, Luxemburgo, Bélgica, Francia y Portugal“ unter Leitung von Frontex beteiligten.
Bologna – Give us documents now! Diritti Dignità futuro! Il corteo dei richiedenti asilo dalla Libia
Über 500 afrikanische Flüchtlinge, die als Boat-people aus Libyen 2011/2012 – angesichts des dortigen Kriegs – geflüchtet sind, haben am 10.11.2012 in Bologna für Aufenthaltspapiere und für ihre Anerkennung als Flüchtlinge demonstriert.
Der Weg der Flüchtlinge in die EU
Die syrische Tragödie erreicht Europa
Der Bürgerkrieg in Syrien zwingt viele Menschen zur Flucht – und die endet oft nicht mehr in der Türkei. Nach Recherchen des ARD-Magazins Panorama wagen ganze Familien die Überfahrt nach Griechenland. Nass und ausgezehrt wollen sie weiterreisen – doch in der EU gelten sie als „illegale Migranten“.
Von Stefan Buchen, NDR, Redaktion Panorama
Sein Glück ist, dass er etwas von Motoren versteht. Sonst wäre er von der Küstenwache abgefangen worden oder an Unterkühlung gestorben oder ertrunken. Muhannad ist vor drei Stunden an einem Strand auf der griechischen Ägäis-Insel Lesbos gelandet, in einem Schlauchboot voller Flüchtlinge aus Syrien. Er schaut auf das Meer zurück und nimmt einen Zug an der Zigarette.
Während der nächtlichen Fahrt vom türkischen Festland war der Außenbordmotor verstummt. Das Boot mit 30 Frauen, Kindern und Männern trieb richtungslos in der Dunkelheit. Die Mittelmeerwellen schlugen über Bord. Der 15-jährige Steuermann, den die Schlepper für die geheime Mission ausgewählt hatten, wusste nicht mehr weiter. Da sprang Muhannad beherzt in die herbstlich-kalten Fluten, schraubte an den Ventilen, im Licht der Sterne. „Wie ich’s geschafft habe, weiß ich nicht mehr. Irgendwie habe ich den Motor repariert und wieder zum Laufen gebracht“, sagt Muhannad in einem Ton, der die Müdigkeit transzendiert hat.“
Vollständiger Text und TV-Sendung auf Panorama:
taz 09.11.2012
Europäische Flüchtlingspolitik
Todesfalle Mittelmeer
Lange waren nicht mehr so viele „Boatpeople“ aus Afrika nach Europa unterwegs. Die Anrainer versuchen sich vor der Verantwortung drücken. Viele Menschen ertrinken
von Dominic Johnson
BERLIN taz | Fast täglich werden diese Woche im Mittelmeer wieder Flüchtlingsboote mit Hunderten Insassen gefunden, immer wieder auch Leichen. Das Drama der afrikanischen „Boatpeople“, die auf dem unsicheren Seeweg nach Europa ihr Leben lassen, erreicht wieder einmal einen traurigen Höhepunkt.“
Vollständiger Artikel:

Friday, November 9, 2012 by Ivan Camilleri
AFM keeps watch on migrants’ boat
The armed forces last night confirmed they were closely monitoring the situation of a boatload of migrants, which according to sources launched distress calls while in Malta’s search and rescue area (SAR) yesterday afternoon.
http://www.indymedia.org.uk/en/2012/11/502449.html
Ein Überlebender der 3-Boote-Tragödie vom 28.10.2012 berichtet in einem Interview. Er klagt die spanischen Behörden an. Obwohl sie sich bereits in spanischen Gewässern befunden haben, hat die spanische Seite keine Rettungsoperation gestartet. Und er klagt die marokkanischen Behörden an, die die Boote in spanischen Gewässern aufgebracht haben und Überlebende mit Gewalt nach Marokko zurückgebracht haben – zwei Überlebende sprangen aus Protest ins Meer und verschwanden. Im marokkanischen Tanger kamen die Überlebenden ohne jedwede soziale und psychologische Unterstützung in Polizeigewahrsam.
No Borders Morocco interview sole survivor of tragic sinking of boats
in Straits of Gibraltar on 28.10.12. Full transcript available at
beatingborders.wordpress.com along with mp3 of interview in French
with English and Wolof translation
