30. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Smart Power, Handy, Notruf – crowdmap 2 – · Kategorien: Italien, Mittelmeerroute, Syrien, Tunesien · Tags: , , ,

Smart Power – Das Handy als politisches Instrument

von Laurence Allard

Le Monde diplomatique Nr. 9799 vom 11.5.2012

Nach dem Erdbeben in Haiti am 12. Januar 2009 wurden schon in den ersten Stunden Anrufe von Angehörigen vermisster Menschen, Anfragen über benötigte Unterstützung und Bitten um Hilfe registriert. Der auf Krisenkartografie spezialisierte Wissenschaftler Patrick Meier schloss sich mit dem kenianischen Programmierer David Kobia zusammen, der 2007 das System Ushahidi programmiert hatte – kenianische Bürger konnten damit Ausschreitungen nach den Wahlen melden. Unerwarteterweise bot sich das Werkzeug nun als Informationsplattform in Haiti an: Meier und Kobia stellten nämlich ein System auf die Beine, das von Mobiltelefonen abgesetzte Notrufe ihrer geografischen Herkunft zuordnet. Der Mobilfunkbetreiber Digicel zog nach und lieferte den Bewohnern von Haiti eine einheitliche Notrufnummer. Dadurch wurden hunderte Menschenleben gerettet. Ushahidi ermöglichte es, mit geringen Mitteln die Hilfsmaßnahmen nach dem Erdbeben zu koordinieren. Aus dem ganzen Land liefen seinerzeit zahllose Meldungen zusammen: Vermisste, fehlendes Trinkwasser, fehlende Nahrungsmittel in Waisenhäusern, Gerettete et cetera. Zwei NGOs – Samasource und Crowdflower – übersetzten die SMS ins Französische, Englische und Kreolische; dann wurden sie von Freiwilligen an der Fletcher School of Law and Diplomacy im US-Bundesstaat Massachusetts – wo Meier arbeitet – ihrer Herkunft zugeordnet, überprüft und sortiert, dann kartiert und veröffentlicht. Ein junges Nonprofitunternehmen (InStedd), das auf die Datenverarbeitung in Krisensituationen spezialisiert ist, baute eine Schnittstelle, über die Helfer vom Roten Kreuz bis zu den US Marines die Notrufe und deren GPS-Koordinaten erhielten. Diese bis dahin beispiellose Zusammenarbeit kenianischer Informatiker und der US-Armee spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung des US-Außenministeriums unter Chefdiplomatin Hillary Clinton, seine Methoden zu überdenken. Die sogenannte smart power hat mittlerweile strategische Bedeutung erlangt. Während der vom ehemaligen Vizeverteidigungsminister Joseph Nye geprägte Begriff soft power („weiche Macht“) ein Bündel nicht zwingender, struktureller, kultureller oder ideologischer Einflussmittel beschreibt, umfasst Smart Power einen flexiblen Katalog diplomatischer, wirtschaftlicher, militärischer, politischer, rechtlicher und kultureller Werkzeuge, die der jeweiligen Lage angepasst werden.

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29. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Frontex und die Flüchtlinge an den türkischen Grenzen · Kategorien: Griechenland, Mittelmeerroute, Syrien, Türkei · Tags:

„Praktische Kooperation“ bei der Grenzüberwachung und der Flüchtlingsjagd haben Frontex und das türkische Außenministerium beschlossen. Zuvor zeigte sich die Türkei oft zögerlich, da die EU auf anderen Feldern kein Entgegenkommen signalisierte. Das jetzige MoU könnte folgende Dimensionen haben:

Falls die Repression in Syrien noch weiter eskaliert, wäre Frontex an vorderster Front, um syrische Flüchtlinge aufzuhalten.

Im Gegenzug wird die Türkei an der Grenze zu Griechenland vermutlich stärker im Sinne der EU-Abschottung „kooperieren“.

Schließlich ist die Türkei ein wichtiges Transitland für iranische und afghanische Flüchtlinge.

Frontex hält die Details des MoU mit der Türkei geheim.

http://www.frontex.europa.eu/news/frontex-signs-a-memorandum-of-understanding-with-turkey-iY5Euj

29. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Vor Libyen: 10 – 30 Boat-people ertrunken · Kategorien: Libyen · Tags: ,

Mindestens 10 Tote im Kanal von Sizilien. Ein Überlebender löst Alarm an der libyschen Küste aus.

La repubblica 26.05.2012

Der Notruf ist bei Aden Sabrie eingegangen, einem somalischen Journalisten, der mit dem BBC zusammenarbeitet. Daraufhin ist die italienische Küstenwache von Lampedusa aus losgefahren und hat dann ein anderes Schlauchboot mit 54 Flüchtlingen gerettet. – Es sollen mindestens 10, vielleicht aber auch 30 Ertrunkene sein, so berichten hundert Überlebende, die am 25.05.2012 vor der libyschen Küste gerettet wurden. Diese libysche Rettungsaktion hatte die italienische Küstenwache ausgelöst, und zwei Frachtschiffe haben daraufhin die Flüchtlinge an Bord genommen und nach Tripolis gebracht.

Den Notruf hatten sie mit Hilfe eines Satellitentelefons ausgelöst. Aden Sabrie konnte telefonisch mit einer Überlebenden sprechen. Sie berichtete, dass ein Teil des Schlauchboots ein paar Stunden nach der Losfahrt luftdurchlässig geworden ist und viele Passagiere ins Meer gefallen seien. Sie selbst habe mindestens 10 Tote um sich herum gesehen. Nach anderen Angaben von Überlebenden seien es mindestens 30 Tote.

http://palermo.repubblica.it/cronaca/2012/05/26/news/almeno_dieci_morti_nel_canale_di_sicilia_nuovo_allarme_immigrati_dalle_coste_libiche-35990631/index.html

29. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Libyen: Massenfestnahmen · Kategorien: Libyen · Tags: ,

Die libysche Übergangsregierung gibt laut der Tageszeitung Lana an, dass die libyschen Behörden in den letzten vier Tagen 439 MigrantInnen davon abgehalten hätten, auf Schiffen nach Europa loszufahren. Außerdem seien 350 MigrantInnen aus dem Tschad, aus Pakistan und Bangladesh in Südlibyen nach illegalem Grenzübertritt festgenommen worden.

Tripolis 28.05.2012, AKI:

http://www.adnkronos.com/IGN/Aki/English/Security/Libya-Hundreds-of-migrants-stopped-from-sailing-for-Europe_313348246550.html

29. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für b4 Palermo Planung Mai Juni Juli · Kategorien: Italien · Tags: , ,

Vorläufiger Zeitplan

MAI

31.5 Kurzfilmabend im ZETA: drei Kurzfilme zu Abschiebe- und Identifizierungsanstaltungen in Italien ( „La vita che non CIE“)

JUNI

7.6 gemeinsam mit anderen Organisationen: Projektion des Films „mare chiuso“ (Thema: Zurückweisungen auf See nach Libyen) in Anwesenheit des Regisseurs und Runder Tisch zum Thema Migration

JULI

3.7. Film „i nostri anni migliori“ (Situation von Tunesiern in Italien) in Anwesenheit des Regisseurs

5.7: Ankunft des Bootes Oloferne im Hafen von Palermo. Thema in Palermo: Widerspruch zwischen dem Gesetz, Hilfe zu leisten und der Kriminalisierung derer, die Hilfe auf dem Meer leisten, sein (wie zum Beispiel im Fall Cap Anamur, bei den tunesischen Fischern), sowie Zurückweisungen auf dem Meer.

Für die Ankunft der Aktivisten am 5.7. haben wir einen „Eröffnungsabend“ geplant mit Abendessen, Filmen, Musik, Diskussionen.

6.7. Pressekonferenz am Hafen.

6.7. Besuch in Milo (die andere Abschiebe – und Identifikationsanstalt) in Trapani und / oder in Vulpitta (auch eine Abschiebe- und Identifikationsanstalt), das sich ebenfalls in Trapani befindet, fahren könnte. Vulpitta hat den Vorteil, dass man dort direkt mit den Migranten reden kann, auch wenn man nicht reingelassen wird.

Lampedusa in festival 19.-23.7. Das Boot komm am 18.7. nach Lampedusa. Pressekonferenz.

29. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Choucha Selbstorganisation der Flüchtlinge · Kategorien: Libyen, Tunesien · Tags: , ,

Die Flüchtlinge in und aus Choucha / Shousha in Tunesien – vor einem Jahr aus Libyen geflüchtet – haben inzwischen eine eigene Website, hier ist sie:
http://voiceofchoucha.wordpress.com

28. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Tunesien: Kriminalisierung der Ausreise · Kategorien: Italien, Tunesien · Tags: ,

Prozess in Tunis

Die tunesische Tageszeitung Assabah meldet am 15.05.2012, dass am Vortag vor dem Amtsgericht Tunis der Prozess gegen einen „Schleuser“ begann. Er soll die Fahrt junger Tunesier aus der Region Jbel Lahmaüber Sfax nach Italien am 30.03.2011 für 500 bis 1.500 Euro pro Person organisiert haben. Bei der Überfahrt waren 4 Boat-people gestorben, 15 werden vermisst.

http://www.assabah.com.tn/article-68934-15052012.html

 

28. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Rezension: Asef Bayat, Life as Politics 2010 · Kategorien: Lesetipps, Libyen, Mittelmeerroute, Tunesien · Tags: ,

Asef Bayat, Life as Politics: How Ordinary People Change the Middle East, Stanford University Press: Stanford 2010. 310 Seiten. USD 21,95 (deutsche Ausgabe mit einem neuen Beitrag zu den Frühlingsrevolutionen in Vorbereitung beim Verlag Assoziation A, Berlin, http://www.assoziation-a.de/vor/Leben_als_Politik.htm). In: Sozial.Geschichte Online 7 (2012), 195-302

Rezension: http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-30301/Sozial_Geschichte_Online_7_2012.pdf

Asef Bayats Buch enthält einen Schlüssel zu den Frühlingsrevolutionen im Maghreb und im Nahen Osten, vielleicht gerade weil es in den zehn Jahren vor dieser Revolution geschrieben und am Vorabend der Revolution veröffentlicht wurde. Es ist ein soziologisches Buch, aber gut lesbar. Ausgehend von einem im Jahre 2000 veröffentlichten Aufsatz, „From ‘Dangerous Classes’ to ‘Quiet Rebels’“, entfaltet Bayat eine Perspektive, in der nicht die Ereignisgeschichte, nicht die Politik, nicht die Organisationen und nicht die Bewegungen im Vordergrund stehen, sondern eine Präsenz der Unterschichten, die in langen Wellen zu unaufhaltsamen und den repressiven Regimes nicht zugänglichen Veränderungen führt. Die Frühlingsrevolutionen waren ein Ausdruck davon und eine Zwischenstation, aber nicht der Endpunkt dieser Entwicklungen.

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28. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Aufruf: italienische Aufenthaltstitel für Libyenflüchtlinge! · Kategorien: Italien, Libyen · Tags: ,

Right to choose – Petition for the issue of residence permits to asylum seekers from Libya

Sign the petition, spread the message. Mobilise people in every city.

They landed on our shores during the war in Libya to escape the violence or because they were forced to embark on dangerous, unsafe boats by Ghaddafi’s soldiers.

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28. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für Boat-people in Italien: 25.000 Aufenthaltstitel verlängert · Kategorien: Italien, Libyen, Tunesien · Tags:

Boat-people 2011: TunesierInnen ja, afrikanische Flüchtlinge aus Libyen nein?

Mit einem Regierungsdekret vom 15.05.2012, veröffentlicht am 21.05.2012, wurden die Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen aus dem Jahr 2011 verlängert. Eine Vorlage zur Datumsänderung bei Behörden ist nicht nötig. Dies betrifft 25.000 tunesische Boat-people, die vor dem 05.04.2011 eingereist sind. TunesierInnen, die danach ankamen und ankommen, werden in interniert und abgeschoben.

Weitere 25.000 Boat-people aus verschiedenen Ländern, die 2011 aus Libyen nach Italien flüchteten, haben Asylanträge gestellt, und die Hälfte ihrer Anträge wurde bereits abgelehnt.

http://www.meltingpot.org/articolo17776.html