Quelle: medico
Frontex steht mit dem Rücken zur Wand
Seit dem 1. Mai wird im Mittelmeer gerettet. Das EU-Grenzregime befindet sich in der Defensive. Warum das so ist, beschreiben Hagen Kopp und Sabine Eckart im Interview.
Die zunehmende Sichtbarkeit des massenhaften Sterbens von Flüchtlingen im Mittelmeer scheint etwas in Bewegung gesetzt zu haben. Aktuell beteiligt sich sogar die Bundeswehr an der Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer und die Daimler AG erklärt sich in Presserklärungen zum Vorreiter der Flüchtlingshelfer. Hat sich das Klima gewandelt?
Hagen Kopp: Die aktuelle Situation ist ein Erfolg. Vor wenigen Monaten wurde Mare Nostrum abgeschafft. Die Politik hat auf Frontex mit der Operation Triton fokussiert. Mit dieser europäischen Entscheidung wurde das Sterben lassen der Flüchtlinge zum Programm gemacht. Außerhalb einer 30-Meilen-Zone sollten die Flüchtlinge sich selbst überlassen bleiben. Alle Rettungskapazitäten wurden systematisch heruntergefahren und vor diesem Hintergrund kam es im April zu mehreren Hundert Toten.